Dreizack von den Edlen von Egling  

Unteregling Nr. 1 (I)

UNTEREGLING  

 

Zur Geschichte

Seit dem 14. Jahrhundert begegnet in der schriftlichen Überlieferung die Unterscheidung in die Dörfer Ober- und Unteregling bzw. Niederegling. (Chronik 1954 S. 40). 1647 wird Unteregling mit dem Markt Egling gleichgesetzt: "..in dem Markt, das ist in Unteregling..."(Chr. S. 43). Der Markt Egling erscheint bereits im 2. herzoglichen Grundbuch (Urbar) von 1280. Die seit dem 14. Jahrhundert bezeugte Landschranne (Gerichtsstätte) lag sicherlich auch in Unteregling, wo auch der (landgerichtische) Amtmann auf einem Amthof saß.

Historische Karten

Siehe Link Unteregling (II)

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                                                   Unteregling                                                             
                                              Häuser und Höfe
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Hausnummer l / Hauptstraße 13                                     

Unterer Wirt Ehemaliges Wirtshaus - Emblem

 

Der Doppeladler im Wirtshausschild, heute versteckt im Inneren angebracht, erinnert wohl an die Zugehörigkeit der benachbarten Pfarrkirche zum Kloster Ettal, das von Kaiser Ludwig den Bayern gegründet wurde.  Die Benediktinerabtei führt heute noch den Doppeladler in ihrem Wappen.  

 

 

 

 

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 Unterer Wirt

 

UNTERER WIRT  

Gasthof zum "Goldenen Adler"                    

 

 

 

 

 

 

                               Unterer Wirt                                                            

 UNTERER  WIRT 

  Alte Ansicht

 

 

 

 

 

 Unterer Wirt Neubau 1996

 

 

 

 

 

       Unterer Wirt,  Neubau 1996 

                                                                                

                                                                           

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 Hausnummer 1 / Hauptstraße 13

Unterer Wirt

Der Wirt war seit urdenklicher Zeit neben der Kirche der zentrale gesellschaftliche Ort und Mittelpunkt des Dorflebens und des Brauchtums. Darüber hat der Wirtssohn Franz Bacher (*1911) umfangreiche Erinnerungen geschrieben. Aus ihnen ist im neuen Heimatbuch (2007) ausführlich berichtet ( S. 174 ff.) 

Siehe H.Zeiß, Zur Geschichte der altbayerischen Tafernen.In: Festgabe Chr.Frank , 1927, S.203

1401 als Tafernwirtschaft erwähnt
1752 Kastenamt Landsberg 1/16 (Tafernwirtsschaft); Kl. Ulrich und Afra Augsburg ½    Ulrichshof);  [ Holzapfelhof 1/1 ?]
1809 Rentamt Landsberg:  
a. 1/ 16 Tafernwirtsgütl: Reale Tafernwirts-, Metzger- und Bäckergerechtigkeit.
b. Ganzer (1/1) Holzapfelhof als Zubau
c. Halber St. Ulrichshof als Zubau
1811/12: Haus gemauert, mit Ziegel gedeckt. Stadl und Stallung von Holz, mit Stroh gedeckt. Anton Spitzweg

Im 19.Jh.wurden erworben: Hs.Nr. 37, 38, 39, 40, 42, siehe dort!

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1629 Georg Holzapfel, 4 Mal verh.
1696 Johannes Holzapfel v. Haus
1729 Josef Bernard 
1769 Johannes Bernard (ohne Kinder)
1807 Anton Spitzweg von Pfaffenhofen am Parsberg u. Magdalena Schilling von Biburg
1838 Josef Spitzweg oo M. Anna Huber von Wabern
1843 Matthias Steber v.Hochdorf oo Witwe M. Anna Huber, Spitzwegin. Sohn Maximilian Steber, Domkapitular (+1922), siehe oben unter Kirche!
[1852 Mathes Steber erkauft Hintergut vom Xanderhof - 1854 Tagebuch  Elisabeth Spitzweg]
1870 Gottfried Lautenbacher, Wirtssohn von Beuerbach oo Witwe Maria Steber vom Haus
1877 Franz Paul Bacher von Hsnr. 41 (Kramer)  oo Elisabeth Steber vom Haus, geb. Gail von   Heinrichshofen Hsnr. 40
1909 Friedrich Bacher oo Apollonia, geb. Drexl von Langwied bei Grunertshofen
         ( Friedrich gest. 1951). 

5 Kinder: Franz Paul (*2.6.1910, + 5.1.2011), Anton v.P.  (*1912),  Elisabeth ( *1913, +1915), Kreszenz (*1918), Friedrich (*1925 +1.10.1983). - Anton   heiratet 2.7.1946 nach Mammendorf [Eitelsried] Kreszenz Feyrsinger, Schwester der Franziska, die den Frietingerbaur heiratete (s. Nr. 65)  
1951 Apollonia Bacher, Witwe  (+4.4.1952)

1952  Franz Bacher,  ledig, nun Bauer und Gastwirtschaftsbesitzer.

1974  Franz Bacher verschreibt den Besitz, bald 65jährig, da ledig,  dem Sohn Christoph seiner Nichte Elisabeth Bacher, verh. in Eitelsried (Tochter des Anton) 
1974 Leonhard Wörl von Jesenwang und Elisabeth Wörl, geb.Bacher  v. Eitelsried, Eltern von Christoph, ziehen auf ihren ererbten Hof nach Egling
[2002 Stichjahr] Wörl Leonhard, Elisabeth, Andreas, Christoph  

2007 Christoph Wörl und Birgit Grundler v. Hs.Nr. 16 (Hausenbaur)

2007: Landwirtschaft

Gebäude

1994 Wirtsgebäude Nr.13 abgebrochen und mit relativer Beibehaltung der alten Maße im Äußeren als Mietshaus neu aufgebaut (siehe Gedenktafel).  Gaststätte geschlossen  ...........
Wohnhaus Nr. 13a neu gebaut. -  Franz Bacher wohnt in dem neuerbauten Wohnhaus Hauptstr. Nr. 13 1/2 bzw. Austr. 2 mit Paula Högenauer (+2010). -
Hs.-Nr.1,39,40,42 / 38,37,36,35, (Nr. 39 ist abgebrochen), 40, 42  
gehörten dem Wirt.

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Bgm. Leonhard Wörl mit den besten Glückwünschen zum 60. Geburtstag am 19.9.2009!

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 Saal Unterer Wirt Egling

 Saal Unterer Wirt Egling

Aus der der Chronik des Unteren Wirts

Franz Bacher (* 2.6.1910 +5.1.2011) schrieb umfangreiche Erinnerungen auf, die sich vor allem auch mit Eglinger Brauchtum befassen. Besonders wertvoll ist dabei ein Tagebuch der  Elisabeth Spitzweg von 1854 (Fam. Spitzweg s.o.).  Daraus ist im Heimatbuch Egling [2007]  die Darstellung des Eglinger Brauchtums geschöpft (S. 174 ff).

Ehaltenordnung beim Unteren Wirth in Egling um 1840

Man braucht zum Gebrauche dieser Wirthschaft 5 männliche und 4 weibliche Individuen nämlich 1 Knecht, 1 Mitterknecht, 1 DrittIer, 1 Bue, 1 Tagwerker, 1 Stadldirn, 1 Mitteldirn, 1 Viehdirn, 1 Kellnerin welche das ganze Jahr ständig zu halten sind. Zum Beispiel zum Dreschen, zum Strohschneiden, zum Mad. Zur Ärndte braucht man mehrer Leute. Dan stelt man sich selbst ein was man braucht. Zum Dreschen 1 Tagwerker, 1 zum Strohschneiden, 2 Tagwerker auf dem Mad mähen so viel als man braucht, je nach dem der Blaz groß ist. In der Ärnte sollen 13 Personen ständig sein. Was an Ehehalten abgeht mus durch Tagwerker ersetzt werden.
Der Knecht hat 36 bis 40 fl (= Gulden) Lohn, einen halben Kronenthaler Haftgelt, 1 Paar Stifl, 1 Paar Schuch, 2 Hemter, nix Balmzech, nix Jageszech, nix Kichlen.
Ferner hat der Knecht die Fremdenstallung zu besorgen, wovon er das Trinkgeld einnimt. Den Kögelblaz hat auch der Bua, welches Gelt was auf den Köglblaz fält, diese zwei miteinander zu theilen haben. Dem Knecht liegt besonders die Stallarbeit ob.
Der Mitterknecht hat Lohn 30 bis 34 fl, 2 Paar Schuch, 2 Hemter, nix Balmzech, nix Jages¬zech, nix Küchlen. Der Mitterknecht hat alle Stadl und Schupfenthor zu sperren.
DrittIer hat Lohn 20 bis 24 fl, 2 Paar Schuch, 2 Hemter, nix Balmzech, nix Jageszech, nix Küchllen. Der DrittIer hat alle Tag im Roßstall das Wasser zu pumpen und die Fensterläden in der Stube zu sperren.
Der Bue hat Lohn 18 bis 24 fl, 30 x (= Kreuzer) Haftgelt, 2 Paar Schuch, 2 Hemter, nix Balmzech, nix Jageszech, nix Kicheln. Der Bue hat mit dem Knecht die Stallarbeit zu verrichten, den Kegelblatz mit dem Knecht zu besorgen.
Jeder Dienstboth wird errinert das er der Herschaft fleißig, redlich treue mit Verschwiegenheit diene, seine Arbeit und Pflicht erfülle, mit gutem Willen und ordentlicher Auffiihrung seines Herrn Gunst erwerbe und sich nie erlaube gegen seine Dienstherschaft grob gegen seine Mit¬knechte unverträglich zu sein. Kurz er soll eine solche Auffiihrung machen daß er in allen be¬vorstehenden Stüken von der Dienstherschaft mit voller Zufriedenheit und den besten Zeug¬nissen entlaßen werden kann. Denn wen oben erwähnte Pflichten aus Ungehorsam oder gar aus Bosheit zuwider handelt so wird derselbe Dienstboth ohne Rücksicht aus dem Dienst entlas-sen. Auch den Lohn darf der Dienstboth nicht unverdient zum Voraus einnehmen.
Der Knecht Mitterknecht Drittler und Bue hat jeder 1 schwarzen und 1 weißen Laib Brod als Schlengllaib zu Weihnachten. Wenn ein Knecht bleibt und nicht schlengelt so hat er nur
1 weißen Laib Brod beim Einstand.
Dirn hat Lohn 18 bis 22 fl, 30 x Haftgelt, 6 Ellen flexis und 6 Ellen werches Tuch, 1 Paar Feirtags und 1 Paar Werchtagsschuh, 1 Schnitfirtuch, zuweilen auch nach Bedingnis 1 Paar Bandofl oder Halskidltuch oder Haubenspitz, nix Bachbrod, nix Nudl, nix Küchlen, nix Jages und nix Balmzech.
Der Stadldirn liegt besonders die Stadlarbeit ob. Alle Vorarbeit auf dem Feld im Heu und zu Haus. Ebenso trifft sie das Stallbetter machen, das Roßstall misten, mit der Unterdirn das Schuhschmieren für die Hausleute u.sw.
Unterdirn hat Lohn 11 bis 18 fl, 1 Paar Feurtags und 1 Paar Werchtagsschuh, 5 Ellen flechsigs und 5 Ellen wirkes Tuch, 1 Schnittfürtuch, zuweilen nach Bedingnis 1 Paar Bandofl, Hauben¬spitz oder Halskidltuch, nix Bachbrod, nix Nudl, nix Küchlen, nix Balm und nix Jageszech.
Der Unterdirn liegt besonders ob durchaus der Stalldirn im Stall zu helfen, zu misten und zu füttern, melken, das Hundsfuttern und Anlegen, das Holz reintragen und abspielen helfen u.s.w.
Viehdirn hat Lohn 16 bis 22 fl, 2 Paar Schuh, 6 Ellen flexis und 6 Ellen würkis Tuch, 1 ½ Ellen Schnitfiirtuch, 2 Ellen Halskitltuch. Dießer liegt die Stahlarbeit ganz allein ob wen die anderen Dirnen ins Feld missen, besonders das Küh und Saustallmisten, dieselben reinigen und putzen.
Wenn die Unterdirn zu Haus ist so muß ihr die selbe helfen. Sonst aber hat sie alle Stallarbeit allein zu besorgen. Sie hat sich jeden andern mit seinen Nebendirnen vorkommende Arbeiten zu unterziehen. Das Trinkgeld vom Stall hat sie allein und das von Hochzeiten, Kürchjweihen, Stiffelschmirben mit den anderen Dirnen zu theilen. Sie hat mitzuspülen und jede Hochzeit und anderzeit in der Küche beizuhelfen.

                                                             Frdl. Mitteilung von Franz Bacher an Franz Huster

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Heute, am 2. Juni 2010  kann Herr Franz Bacher seinen 100. Geburtstag begehen: Wir gratulieren dem Jubilar und wünschen ihm weiterhin alles Gute!

Mögen seine Aufzeichnungen aus der Eglinger Geschichte nicht verloren gehen und in die richtigen Häude kommen!

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Am 5.1.2011 verstarb Franz Bacher 100jährig.

Heute, am 8.1.2011 wurde er beerdigt.  Das Requiem hielt P. Claudius Bals OSB von St. Ottilien, gebürtig in Heinrichshofen. P.Claudius bezeichnete Franz Bacher als eine markante Persönlichkeit Eglings. 

 R.I.P.                                                                                                                          P.F.

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Ende

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