Dreizack von den Edlen von Egling  

Anmerkungen zur Geschichte

 

Ab Kapitel "Vom Werden Egling"  (mit Ausnahme Kapitel: "Meine Eglinger Großmutter" ) gedruckt in: Heimat an der Paar. Gemeinde Egling und Heinrichshofen. Herausgeber Gemeinde Egling, Redaktion Tatjana Husel, Egling 2007, S. 18 - 36.

 

__________________________________________________________________________

E g l i n g                                                                                      

Anmerkungen zur Geschichte              

Von Pankraz Fried

[Ohne Fußnoten; mit Fußnoten siehe unten]

VorbemerkungChronik Egling 1954

Gleich eingangs ist zu sagen, dass Egling eine respektable Ortschronik besitzt. Sie wurde 1954 verfasst vom langjährigen Hauptlehrer am Ort Johann Burkart. Was die Höfegeschichte betrifft, so führt die Chronik die 1911 erschienene historisch-statistische Ortsbeschreibung von Georg Rotter, gleichfalls Lehrer in Egling, weiter. Burkarts Chronik ist auch heute noch die maßgebliche Grundlage für lokalhistorische Forschungen, auch wenn sie nach 50 Jahren ergänzungs- und verbesserungsbedürftig ist. Die Chronik baut auch auf den 1862 erschienenen Artikel über die Pfarrei Egling in der Augsburger Bistumsbeschreibung von Anton Steichele auf .

Besonders wertvoll für die Ortsgeschichte Eglings ist die 1990 von Luitpold Klotz verfasste Arbeit: „Heimatgeschichte. Die Landwirtschaft im 20. Jahrhunderts". Sie bietet eine umfassende Familien-, Hofgeschichte seines Heimathofes in Hattenhofen sowie einen Beitrag zur Ortsgeschichte, mit eigenen Kapiteln über Handwerk, Vereine, Genossenschaften Sitte und Brauchtum, das kirchliche Leben wie auch über Katastrophen. Von einmaligem Wert sind seine Ausführungen über den Wandel auf dem Dorf, über den Übergang von der Handarbeit zur Motorisierung und Mechanisierung in der Landwirtschaft. Das mir im Manuskript vorliegende Werk verdient es heute noch gedruckt zu werden.
Tatjana Husl beschrieb 1997  anschaulich „Die Knöpflesnacht und andere Geschichten aus dem Lechrain", die sich vor, in und nach dem Zweiten Weltkrieg in Egling begeben haben. Sie hat damit im besten Sinne Alltagsgeschichte geboten, die aus keiner schriftlichen Quelle zu eruieren ist.

Weiters sind zu erwähnen die zweibändige Ortsgeschichte vom benachbaren Schmiechen von Heribert Raab, die interessante neue Belege zu Egling, vor allem zu Heinrichshofen bringt, das bis 1848 zum dortigen Schloß gehörte . Auch die neue Chronik vom nachbarlichen Steindorf von Franz Etzler ist für Egling einschlägig . Nicht zu übersehen ist auch der Artikel Egling im Landsberger Heimatbuch von Landrat Bernhrad Müller-Hahl . Sodann wurde Egling öfters in Bänden des Historischen Atlasses von Bayern und vor allem in neueren Quelleneditionen behandelt, die unten angeführt sind.

Als ortsansässiger Landeshistoriker habe ich mich immer wieder mit der Geschichte Eglings beschäftigt . Schriftlichen Niederschlag haben diese Bemühungen im Historischen Atlas von Landsberg , in der Renovierungsabschluß - Festschrift von 1976 und im Kirchenführer von 1992 gefunden . 2000 hielt ich bei der Selbständigkeitsfeier der Gemeinde Egling 2000 den Festvortrag. Seit 2001 beschäftigten mich aufgrund einer Anfrage die Umstände beim Absturz eines englischen Fliegers 1944 in Egling. Seit einigen Jahren arbeite ich an der Vervollständigung der Häuser- und Höfegeschichte von Egling und Heinrichshofen.

Der folgende Beitrag ist keine durchgehende Geschichte von Egling. Es handelt sich um Einzelforschungen und Einzelbeiträge zur geschichtlichen Entwicklung Eglings, wie ich sie mir aufgrund meiner Quellen- und Literaturstudien vorstelle, vor allem nach dem Abgleich mit der allgemeinen Geschichte . Sie ergeben in mancher Hinsicht ein neues Bild vom geschichtlichen
Werden Eglings.

[Abb.]

Land und LandschaftLandschaft am Ammersee

Hinsichtlich der naturräumlichen Beschaffenheit ist unser Land durch die Eiszeit (bis 12000 v. Chr.) geformt worden, als sich die Gletscher von den Alpen bis zum tertiären Hügelland im Norden erstreckten . Die Eiszeit hat das Landschaftsbild von heute mit seine Kiesen, Sanden und Seetonen, den Geschieb- und Verwitterungsslehmen, Nagelfluen usw. gestaltet. Es sind vor allem die ebeneren Endmoränen, entstanden in der (vorletzten) sog. Rißeiszeit, die den Charakter des Landes bestimmen. Den starken Lößauflagen, die sich nicht selten zu Lehm verdichten, verdankt dieses Gebiet die ungewöhnliche Fruchtbarkeit seines Bodens. Das Paartal entstand durch das Gletscherschmelzwasser, der die Endmöränen durchfurchte.
Unser Landschaftsbild wurde sehr anschaulich beschrieben :
Das Gelände, das die Gemeindeflur umfast, liegt teils im Paar-, teils im Dünzlbachtal, und dehnt sich von diesen Tälern nach allen Richtungen mit dem angrenzenden Hochplateau - ca. 540m ü. d. M. - aus. Die beiden Flusstäler enthalten fast nur Wiesengründe, während das Ackerland die wellige Hochebene einnimmt, auf der sich gegen Osten und Südosten auch ansehnliche Waldbestände finden. Das Landschaftsbild, das sich uns so bietet, ist demnach sehr einfacher Natur: eine ziemlich eintönige, wenig wellenförmige Ebene, schon an das nahe Lechfeld gemahnend, in das sie gegen Westen allmählich übergeht. Aber derade weil´s „so schön eba isch", findet der Bewohner seine Heimat schön, un d in der Tat, wenn wir im Frühling oder Sommer hinausblicken auf die wogenden Getrreidefelder, auf die smaragdgründen Wiesen im reichen Blumenschmuck, die zahlreichen freundlichen Dörfer, die darin gebette tsind, mit ihren noch oben weisenden Krichtürmen und dem dunkelgrünen Kranzz von Wäldern im Ostrn und Südosten, über die nicht selten die trotzigen Alpen, übberragt von der majestätischen Zugspitze, herübergrüßen, dann geben wir ihm rccht, und auch ein verwöhnter Naturfreund könnte der Gegend nicht all Reize absprechen, auch wenn sie nicht - eben seine Heimat wäre." (Lehrer Rotter)

„Das Landschaftsbild, das sich uns bietet, ist wenig abwechslungsreich. Im Herbst sucht das Auge über die braunen Schollen hinweg den grünen Wald in der Ferne, denn fast baumlos dehnt sich die Weite. Nicht anders ist das Bild nach Western, wo die wenig wellige Ebene sich zum Lelchfeld neigt. Aber trotzdem finden die Bewohner ihr Heimat schön. Der Blick gleitet zu den dunklen Wäldern im Oste und Südosten und weit hinten türmen sich die Alpen in gewaltiger Majestät. Blicken wir im Sommer hinaus auf das wogende Getereidemeer; vom dunklen Braun bis zum strahlenden Gelb leuchtet es uns entgegen, das Rot und Blau und Weiß der Feldblumen mischt sich darein, smaragdgrüne Wiesen, die an den Hängen kaffeebraun gefärbt sind, ziehen sich durch. In das Goldbraun sind schmucke Dörfer gebettet. Kirchtürme ragen empor. Der Sonnenglast zittert und flimmert über die Landschaft. Auch der verwöhnteste Naturfreund kann der Gegend den Reiz des Eigenartigen nicht absprechen, auch wenn sie nicht seine Heimat ist." ( Lehrer Burkart)


Vom Werden Eglings


Im Ortslexikon des deutschen Reichs 1916 sind neben Egling a.d. Paar noch 5 andere Egling bzw. Eglingen genannt: Egling bei Wolfratshausen mit Oberegling; Egling Gde. Weindorf, Bezirksamt Weilheim/Obb.; Eglingen in Elsaß- Lothringen und je l Eglingen im württembergischen Donau- und Jagstkreis.
Von diesen 6 Egling bzw. Eglingen war 1916 unser Egling die größte Gemeinde mit 747 Einwohnern (ohne Heinrichshofen), und 113 Anwesen, von denen 9 größere Bauern waren.

Im Zusammenhang mit der Neuherausgabe des Wessobrunner Güterschenkungsbuches 1986 ist die schriftliche Erstnennung von „Egelingen" auf ca. 1130 anzusetzen . Damit ergibt sich eine Verschiebung der Erstnennung gegenüber der Angabe in der Eglinger Chronik von 1954 , in der 1065 als früheste Nennung angeführt ist.
Doch ist davon ausgehen, daß Egling wesentlich älter als seine zufällige urkundliche Erwähnung ist. Dafür spricht vor allem der Ortsname auf -ing, der die heutige Siedlung bis auf die früheste Besiedlung im 6. Jahrhundert n. Chr. zurückführen läßt.

Vor - und Frühgeschichte

Zahlreiche Hügelgräber in der Umgebung verraten, daß die Eglinger Flur schon in der sog. Hallstattzeit (ca. 750-450 v.Chr.) von Kelten besiedelt war. Auch eine im Luftbild erkennbare Viereckschanze südlich von Egling stammt aus der Keltenzeit. Der Name des Flusses Paar geht auf diese zurück.
In der Römerzeit (15. v.Chr.- ca. 400 n.Chr.) gehörte das Land um Egling zur Provinz Raetien (seit 300 Raetia II) und zum Pagus (=Gau) der Hauptstadt Augusta Vindelicum - Augsburg. Im ländlichen Umland (pagus) , vor allem im fruchtbaren Endmoränengebiet lagen römische Landgüter (villae rusticae). Auch im Bereich von Egling wurden Überreste derartiger römischer Landgüter gefunden. So z.B. die Reste eines Wohngebäudes, gelegen etwa ½ km südwestlich der Pfarrkirche, ferner Siedlungsreste zwischen Hattenhofen und Wabern. Bedeutsam ist die sog. römische Brennerstraße, die von Augsburg über die Eglinger Flur ins Obereglinger Holz führte, wo sie noch durch Erdverwerfungen zu erkennen ist. Im Bereich von Heinrichshofen zweigte von ihr die römische Straße nach Salzburg ab (heute als „Via Julia" bezeichnet) .

Die germanische Besiedlung durch Alemannen und Bajuwaren setzte um 500 n.Chr. ein, nachdem die Römerherrschaft zusammengebrochen war . Damals siedelten „Egelinge", die Leute eines Egilo im Bereich der heutigen Dorfflur. Auf deren Ansiedlung geht das heutige Dorf Egling zurück. Egilo geht auf Agil, Egil, Eigil, vielleicht Egilolf zurück und bedeutet „tapferer Schwertkämpfer" . Die Lage der meisten Egling(en)-Orte im schwäbisch-alemannischen Raum läßt den Schluß zu, daß wir es mit Alemannen zu tun haben. Bis um 800 spätestens ist jedoch der Lech Stammesgrenze zwischen den Baiern und Alemannen-Schwaben .
Die wichtigsten Überreste aus der germanischen Frühzeit sind die Reihengräberfriedhöfe. Ein großer Reihengräberfriedhof liegt südwestlich der Bahnstation, wo beim Kiesabbau seit Jahrzehnten Skelette mit den charakteristischen Beigaben zum Vorschein kommen. Auch in der Nähe der Blasiuskapelle sind mehrfach Reihengräber entdeckt worden.
Man hat mit gutem Grund angenommen, daß der Frietingerhof die Ursiedlung von Egling war. Die namengebenden "Egelinge", also die Leute eines Egilo, saßen wohl auf dem späteren Frietingerhofe. Gleichzeitig oder kurz nach den Urhöfen entstanden die Orte auf -hofen und -hausen. Hier stand nicht mehr der Sippen- oder Gefolgsherr der Wanderungszeit, sondern bei den schon Seßhaftgewordenen Haus und Hof im Vordergrund. Vielleicht hieß das spätere Unteregling am Anfang einfach "Hausen", worauf man vom Hofnamen "Hausenbauer" her schließen könnte, analog zu Hausen bei Geltendorf oder Hausen bei Hofhegnenberg. Vielleicht beziehen sich mehrere Hausen, die in den Quellen genannt werden, auch auf das Hausen bei Egling .
Wenn Egilo zum Stamm der Alemannen gehörte, so ist ein Wort über dieses germanische Volk zu sagen. Es gehörte zum germanischen Stamm der Sueben, die von den Römern am meisten gefürchtet wurden. Ihr Vorfahren wohnten nach dem römischen Schriftsteller Tacitus im 1. Jahrhundert nach Chr. an der Elbe. Sie selbst nannten sich Sueben, Schwaben, von den Römern wurden sie später als Alemannen bezeichnet. Ein Bild dieses Stammes schildert in vielen Einzelheiten der Katalog der großen Stuttgarter Alemannen-Ausstellung vom Jahre 1997. Um 498 wurden die Alamannen von Chlodwig dem Frankenkönig in der Schlacht bei Zülpich am Niederrhein vernichtend geschlagen. Wir wissen, daß der Gotenkönig Theoderich, der damals (******) Italien beherrschte, einen Teil der fliehenden Alamannen unter seinen Schutz nahm. Es ist sehr wahrscheinlich, daß damals Alamannen in unserem Raume angesiedelt wurden. Gleichzeitig scheint aber auch zu dieser Zeit, um 500, auch die Grenze zwischen dem ostgotischen und fränkischen Interessengebiet am Lech gezogen worden zu sein: Die Lechgrenze entstgand also als politische Grenze und wurde später zur Stammesgrenze der Schwaben und Baiern. Während wir über die Alamannen-Schwaben schon früh informiert sind, vor allem, daß sie um 480 unter ihrem Herzog Gibuld bis nach Passau (Batavia) vorstießen, tritt der Bayernstamm erst im Laufe des 6. Jahrhunderts zum ersten Mal auf. Wer die Bayern sind, woher sie kommen, wissen wir bis heute nicht genau. Es gibt nur eine Vielzahl von Theorien.

Da unser Gebiet zur römischen Provinz Raetien gehörte und im "pagus", Gau der er Provinzhauptstadt Augusta Vindelicum - Augsburg lag, ist anzunehmen, daß schon damals die guten Böden des späteren Egling von einer römischen Villa = Landgut aus bebaut wurden. Im benachbarten Weil wurden die Grundrisse der römische Villa, die Weil den Namen gab, in den vergangenen Jahren entdeckt. Es ist möglich, daß die Alamannen den Römerstraßen entlang in unser Land kamen. Die Brennerstraße durchquerte die spätere Eglinger Flur, in Heinrichshofen bog eine solche in Richtung Salzburg ab. Die siedelnden Alamannen mieden allerdings die aus Stein gebauten Römerhäuser und bauten sich hölzerne Behausungen.
Von den ersten Alamannen haben wir nur die sog. Reihengräber als Überreste. Sie beginnen im 5./6. Jahrhundert und enden Anfang des 8. Jahrhunderts, als unsere Vorfahren zum Christentum bekehrt wurden und nun in einem Friedhof um die Kirche, die Reliquien eines Heiligen enthielt, begraben wurden. Auch in Egling wurden, wie oben erwähnt, Reihengräber gefunden, und zwar in der Nähe des Blasiuskirchleins. Da die ältesten Kirchen aus Holz gebaut waren, haben sich meist keine Überreste davon erhalten.
Vergegenwärtigen wir uns nochmals: Für die 6 Jahrhunderte von der sog. Landnahme im 6. Jahrhundert bis ins 11. Jahrhundert haben wir keinen einzigen schriftlichen Beleg, sondern nur den Ortsnamen und die Bodenfunde als einzige Quellen. Mit der Interpretation des Katasters von 1808 läßt sich, wie oben schon erwähnt, mehr über die urkunden lose Zeit aussagen. Betrachtet man das Wegenetz von l808, so zeigt sich, daß die Altstraßen vom Süden her alle in Richtung Oberegling -Altegling(Frietingerhof) führen. Eine von ihn war die alte Römerstraße, die von Augsburg nach dem Brenner führte. Zweifellos ist Oberegling in früher Zeit der zentrale Ort gewesen.

Siedlungsgeschichte und Ortsstruktur seit dem Mittelalter

Bis zum 12. Jahrhundert haben wir für Egling keine schriftlichen Nachrichten. Deswegen ist die Siedlungsgeschichte eine unersetzliche und bis jetzt kaum unausgewertete Quelle. Das älteste und zugleich wichtigste Dokument für die für die Erfassung der ältesten Siedlungsstruktur Eglings sind die ältesten Kataster aus dem Jahre l808 ff. Sie geben die Struktur Eglings noch vor den langsam im 19. Jahrhundert durch die Industrialisierung einsetzenden Veränderungen und der Neusiedlung im 20. Jahrhundert wieder, die im großen und ganzen westlich der Paar erfolgte. Aus den Angaben im Kataster kann zugleich weit in die Vergangenheit zurückgeschlossen werden, da die Verhältnisse in den Jahrhunderten vor 1800 sehr konstant waren. Aus ihm ist, was auch aus anderen Quellen zu belegen ist, zunächst einmal ersichtlich, daß Egling sich in ein Ober- und Unterdorf mit je 4 größeren Höfen und einer Mühle gliederte, wobei der Frietingerhof eine eigene Rolle spielte. Die Höfe liegen sämtliche am Ostabhang des Paartales, auf sog. Leiten erhöht oberhalb der Paar. Bis zur Bildung der heutigen politischen Gemeinde im Jahre l8l8 waren Unter- und Oberegling zwei selbständige bäuerliche Wirtschaftsgemeinden mit den "ehaften" Gewerben: Tafernwirtschaft, Mühle, Schmiede, Bader. Unteregling hatte den Vorzug, Pfarrsitz zu sein, Oberegling kann zwei Kirchen aufweisen, die bis in die Romanik (l3. Jahrhundert) zurückgehen: St.Blasius und St. Ulrich (Wendelin).

Wir haben es also beim heutigen Dorf Egling mit 2, vielleicht sogar 3 Siedlungskernen zu tun: den (1) Frietingerhof, früher auch als Altegling bezeichnet, (2) Unteregling und (3)Oberegling. Die darin liegenden Bauernhöfe sind wohl als die ältesten Anwesen anzusehen, von denen einige bis in Zeit der die frühesten Besiedlung im 6. Jahrhundert zurückgehen. Im Frühmittelalter waren Unter- und Oberegling Gehöftegruppen, so wie sich eine solche im heutigen in Hattenhofen mit seinen 4 Höfen erhalten hat. Erst durch Hofteilungen und vor allem dann durch die die Sölden(Kleinbauern)- und Gewerbeansiedlung seit dem 12. Jahrhundert haben sich Ober- und Unteregling zu Dörfern vergrößert.

Man kann nun fragen: Warum entwickelten sich Ober- und Unteregling zum heutigen ansehnlichen Dorf Egling, der früher sogar ein Marktflecken war, während Hattenhofen bei seinen 4 Höfen stehen blieb? Diese Frage wird uns bei den folgenden Ausführungen begleiten und wir werden an gegebenen Ort sie beantworten.

Christianisierung. Kapellen, Kirche und Pfarrei

Das Christentum hat im Raum von Augsburg, dem römischen „Augusta Vindelicum", Wurzeln, die bis in die Römerzeit zurückreichen. Die hl. Afra starb in der diokletianischen Christenverfolgung in Augsburg um 304 den Märtyrertod . Die Wallfahrt zu ihrem Grab überdauerte die Stürme der Völkerwanderungzeit wie auch das dort anzunehmende St. Afra-Kloster. Das eng damit verbundene spätantike Bistum Augsburg überstand gleichfalls die Völkerwanderung und wurde zu zu Beginn des 7. Jahrhunderts erneuert. Im 8. Jahrhundert erfolgten dann eine Reihe von Klostergründungen, die auf unseren Raum Bezug haben: Das Kloster Füssen, begründet vom Hl. Magnus, dann die Klöster Wessobrunn, Benediktbeuern und Sandau bei Landsberg, dessen Grundmauern in den letzten Jahren wieder freigelegt wurden . Von diesen Klöstern aus und nicht zuletzt vom Bistum Augsburg selbst erfolgte die Missionierung unseres Landes im Frühmittelalter. Aber auch auf Königs- und Adelsgut Kirchen und Pfarreien errichtet, die so zu Eigenkirchen wurden.
Die früheste Nachricht über eine Kirche bzw. Kapelle in (Alt-)Egling stammt aus der Zeit 1169/1171 : Damals bestätigte Erzbischof Konrad I. von Mainz Prälat von Dießen „die Kapelle zu Egling, die dem Hl. Blasius geweiht ist, wie ihr sie bis jetzt mit der Seelsorge besitzt......" Die Kapelle dürfte mit dem Eglinger Erbe des Merboto, Ministeriale des Grafen Berthold I. von Andechs, an das Kloster Dießen gekommen sein, wohin des dieser um 1140 schenkte . Aus der späteren Überlieferung ist zu schließen, daß es sich dabei um den Frietinger Hof gehandelt haben muß, der bis 1870 zur Pfarrei Schmiechen gehörte . Bei der romanischen Blasiuskapelle haben wir es sicherlich mit der ältesten Kirche Eglings zu tun, die auf das 12./13. Jahrhundert zurückgeht.
Eine Kirche zu (Unter-)Egling ist erstmals als landesherrliche Pfarrei im Teilungsvertrag der wittelsbachischen Herzöge von 1310 angeführt . Als Dekan und Priester zu Egling ist jedoch bereits 1210 ein Heinrich erwähnt, als er einen Streit seiner Brüder, der Ritter Dietrich und Konraad Krug schlichtete . Er muss dem adeligen Geschlecht der Krug anghehört haben, die mehrmals im 13. Jahrhundert erscheinen. Wann die Pfarrei Egling eingerichtet wurde, wissen wir nicht. Es dürfte sich jedoch mit Sicherheit um eine Eigenkirche der Grafen von Andechs gehandelt haben, die in Unterergling eine ziemlich geschlossene Grundherrschaft hatten und die Grafenrechte ausübten . Vielleicht richteten diese nach der Schenkung von Altegling (St. Blasius) um 1140 dort eine Pfarrei für Unter- und Oberegling ein. Nach dem Aussterben der Andechser 1248 muss die Pfarrei sie an die Wittelsbacher gekommen sein. Die Kirche, die vielleicht wie in Kaufring am Abhang des heutigen Kirchbergs stand, dürfte nach der Schleifung der mutmaßlichen Andechser Burg zu (Unter-) Egling an deren Stelle erbaut worden sein.Die Kapelle St. Ulrich in Oberegling gehört zu den ältesten noch erhaltenen Kapellen ihrer Art und geht im Kern wohl auf die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts zurück. Was bis jetzt nicht gesehen wurde, ist die Tatsache, daß sie auf bzw. neben dem Plateau des Burgbergs zu Oberegling steht, welcher der Sitz der Eglinger im
Spätmittelalter war, wir gehen darauf unten ein.

Für den Unterhalt der Pfarrei musste seit der Karolingerzeit der Zehnt gereicht werden. Später kam er oft auch als Lehen in weltliche Hände, wie dies auch in Egling der Fall war. Der Zehnt ist nicht mit den Steuern und grundherrschaftlichen Abgaben zu verwechseln . Er konnte auch in den Händen von
Flurplan 1846 weltlichen Inhabern sein, wie im Falle von Egling die Herren von Schmiechen. So verkauft 1372 Heinrich von Schmiechen seine an Herzog Stepan lehenbaren Zehnten zu Ober- und Niederegling, Hattenhofen, Zell, Heinrichshofen und Wabern an Heinrich Püttrich, Bürger zu München (Chr. Schmiechen S. 71). 1436 empfing ihn Stephan von Schmiechen vom Herzog zu Lehen (Chr. Schmiechen S. 89, Steichele 2 S. 460ff. ). Zu Anfang des 16. Jahrhunderts bezog Herzog Albrecht den Zehnt von Egling, den er aber an die Püttrich von München von München verlieh, die ihn 1510 an Herzog Wolfgang verkauften (Chr. Egling 42). Dem Herzog soll nur der halbe Zehnt geeignet haben, der zum Kasten Merching gegeben werden musste; der andere Teil gehörte dem Kloster Ettal, das in Egling seinen Zehntstadel hatte, der heute noch steht ( Steichele 2, 460f.; Chronik Egling46 ff. ). Der ettalische Zehnt fiel bei der Säkularisation 1803 an den Staat, von dem er wohl von den Bauern abgelöst wurde.


Grafschaftschaftszugehörigkeit im Früh- und Hochmittelalter (6.-13-Jh.). Die Welfen


Egling dürfte ältester Zeit zum Augstgau gehört haben, in dem vor allem das Geschlecht der Welfen Grafschaften besaß . Die Welfen waren eines der berühmtesten Adelsgeschlechter es Mittelalters; ihre Ahnen kann man bis in das 8. Jahrhundert zurückverfolgen. Die Welfin Judith war Gemahlin des Karolingerkaisers Ludwig des Frommen (814 - 840) und Hemma, gleichfalls aus welfischem Hause, hatte dessen Sohn Ludwig den Deutschen (843-876) zur Frau. Während ein Zweig der Familie im 9. Jahrhundert zu Königen von Burgund aufstieg, überlebten die ostfränkich/deutschen Welfen die Wirren des 10. Jahrhunderts als Großgrundherren vornehmlich in Ober- und Ostschwaben mit dem Zentrum Ravensburg, in Tirol und am Lechrain. Mit der Welfin Kunizza starb um1050 das Geschlecht im Mannesstamme aus. Doch zog ihr Sohn Welf aus der Ehe mit dem lombardisch/italienischen Markgrafen Azzo von Este über die Alpen nach Süddeutschland, um dort das welfische Erbe anzutreten. Von 1070 - 1101 war er Herzog von Bayern. Er erbaute die Burg Peiting zu seinem Herrschaftsmittelpunkt am Lechrain und gründete 1078 das Kloster Rottenbuch.
Da Herzog Welf im Investiturstreit auf der päpstlichen Seite agierte, verlor er durch Urteilsspruch Kaiser Heinrichs IV. 1078 die Augstgaugrafschaft diesseits des Lechs an den Grafen Arnold von Dießen, der im Investiturstreit die Sache des Kaisers verfochten hatte. Das welfische Hausgut Mering erhielten die Welfen 1096 zurück. Herzog Welf II. der mit Mathilde, Markgräfin von Tuscien verheiratet war, starb 1020 auf der Welfenburg Kaufering. Später regierte Welf VI am Lechrain, wo der 1147 das Kloster Steingaden begründete. Doch auch sein Vetter Heinrich der Löwe hatte dort Besitz. Um 1160 errichtete er die Burg „Landsberg". Auch in Egling scheinen welfische Ritter noch Besitz innegehabt zu haben.
Heinrich der Löwe, der auch Vogt des Klosters Wessobrunn war, das in unserer Gegen reichen Grundbesitz hatte, verlor 1180 Herzogtum und Macht in Bayern. Seine Nachfolger waren die Wittelsbacher. Welf VI. regierte noch bis zu seinem Tode 1191. Durch Vertrag hatte der seine Herrschaft den Staufern überschrieben, die nun auch als Herren am Lechrain auftreten. In Mering saß ihr Güterprobst, also ein Verwaltungsbeamter. Vom 11.-13. Jahrhundert waren die Staufer das wohl bedeutendste deutsche Herrschergeschlecht, das damals die meisten Könge und Kaiser stellte. Der letzte Staufer Konradin (+1268) war mit seinem Oheim Herzog Ludwg von Bayern der Erbauer der Burg Friedberg .

Egling unter der Andechser Herrschaft (11.-13. Jahrhundert)

Die Andechser waren eines der bedeutendsten Hochadelsgeschlechter im mittelalterlichen Europa, die uns seit dem 11. Jahrhundert begegnen. Vielleicht waren sie Nachkommen der alten Huosier, in deren Gau sie ihre in Baiern ihre Besitzungen hatte. Darüber hinaus hatten sie reichen Länderbesitz in Tirol, Franken, Burgund und Istrien, sie waren Vögte über das reiche Benediktinerkloster Benediktbeuern und das Bistum Aquileja bei Triest. 1180 stiegen sie zu Herzöge von Meranien, Dalmatien und Kroatien auf. Sie saßen zunächst auf der Schönenburg zu Dießen. Nach der Gründung des Klosters Dießen um 1130 wechselten sie auf die andere Seite des Ammersees, wo sie die Burg Andechs erbauten, wonach sie sich fortan nannten.

Wie oben erwähnt, bekamen die Andechser 1068 die Augstgrafschaft und damit in unserem Raum die Burg Merching, wozu auch Egling gehörte, wie wir aus späteren Quellen wissen.
Graf Graf Arnold von Dießen, der auch Vogt von Benediktbeuern war, ließ Egling von seinen Vasallen und Dienstmannen besetzen. Daß die Andechser Grafen in Egling herrschten, geht auch aus der Tatsache hervor, daß ritterliche Dienstmannen dort Besitz hatten und sich darnach nennen: Der Ministeriale des Grafen Berthold schenkte um 1140 sein Erbe zu „Hegelingen" dem neugegründeten Kloster Dießen. Schon vorher, um 1130 schenkte ein Edler namens Popp, mit Sicherheit Graf Poppo von Andechs, ein Gut zu „Egelingen" dem Kloster St. Ulrich und Afra zu Augsburg. 1133 sind als Zeugen genannt Reginhart und Weriant von „Eglingen" . Diese und ihre Nachkommen könnten zunächst auf der Andechser Burg an der Stelle der späteren Pfarrkirche gesessen sein. Spätestens seit dem 13. Jahrhundert sitzen die Eglinger jedoch auf der Burg in Oberegling (siehe unten).

Seit dem Hochmittelalter (11.-13.Jahrhundert) sprießen in ganz Europa Burgen, Märkte und Städte aus dem Boden, zunächst in Frankreich und Italien, und dann ein Jahrhundert zeitversetzt seit dem 12. Jahrhundert auch in Deutschland . Ursache ist die Entfaltung der des Rittertums und dann Städtewesens; auf dem Lande ist es die Bevölkerungsvermehrung. Auch bei den Höfen zu

Egling, die, wie wir gesehen haben, damals den Grafen von Andechs bzw. ihren Lehnsleuten gehörten, muß sich in dieser Zeit etwas gerührt haben. Es ist begründet anzunehmen, daß im l2. Jahrhundert in Unteregling eine andechsische Burg oder Wehranlage dort, wo heute die Pfarrkirche steht, stand und darunter ein Markt neu angelegt wurde. Burgen- und Marktgründung erfolgte wie überall im Zeichen der Intensivierung der Landesherrschaft, um zu größerer Herrschaft und damit auch zu größeren Abgaben zu kommen. Solche waren primär von den Abgaben aus Märkten und Städten zu erzielen. Es sind wohl die Neugründung eines Marktes und der Neubau einer Pfarrkirche in Untergling gewesen, welche die älteren Rechte von St. Blasius in Altegling einschränkten. Die Andechser haben also Egling entscheidend geprägt . Seit 1209 setzten im andechs-wittelsbachischen Krieg unruhigen Zeiten für das neue Egling ein. Während von einer Burg später keine Rede mehr ist, gingen Markt und Kirche in Unteregling nach dem Aussterben der Andechser Grafen 1248 an die Wittelsbacher Herzöge über, was die späteren Urkunden beweisen.

[Karte B. Müller-Hahl]

 

Egling in der wittelsbachischen Landesorganisation


Im 13. Jahrhundert vollzog sich eine große innere Umwälzung in Bayern. Die einstmaligen Fürsten und Grafen starben der Reihe nach aus; ihre Besitzungen fielen meist an das Geschlecht der Pfalzgrafen von Wittelsbach, der ehemaligen Grafen von Scheyern, die seit 1180 Herzöge von Bayern waren. Gleichzeitig erfolgte eine Neuorganiation des Landes auf der Grundlage einer Burgenverfassung.
Das andechsische Erbe war 1248 angefallen, die welfisch-staufischen Güter mit der sog. Konradinischen Erbschaft 1269 nach dem Tode letzten Staufers Konradin zu Neapel 1268.
Der gesamte Besitz ist zum ersten Mal Abgabe für Abgabe und Hof für Hof aus dem Salbuch der Wittelsbacher von ca.1280 zu ersehen. Neu gegenüber dem ersten Herzogsurbar von ca. 1230 erscheint Amt Landsberg, das also neu erichtet worden sein muss. Jedoch bestanden alte Ämter weiter; n eben dem ehemals welfisch-staufischen Amt Mering ist auch das ehemalige andechsische Amt Merching aufgeführt, zu dem Güter und Abgaben in Egling gehörten, und zwar der Fronhof (curia villicalis), zwei Huben „genannt in dem Brunnen" , eine Mühle, der Marktzoll, ein Holzlehen, 5 Hofstätten, von denen eine der Herzog der Kirche übergab . Im dritten Herzogsurbar von 1330 ist Merching dem Amt Landsberg einverleibt, dabei erscheint folgender Besitz in Egling : Die schon genannten 2 Huben in dem Brunnen, die Marktzollabgaben, zwei Hofstätten. Die Vogteiabgaben von den (4) Höfen zu Egling gehörten noch zu Merching. Den Fronhof (cura villicais) zu Egling besaß 1330 die Schauensteinerin (Schawenstainerinn) als Pfand. Die im 14. Jahrhundert erwähnte Landschranne zu Egling, auf der der Landrichter von Landsberg Gericht hielt, mag noch auf die Andechser zurückgehen . Ebenso lag 1370 ein herzoglicher Amtshof in Egling, was darauf hinweist, daß damals Egling schon Sitz des Amtmanns iin dem seit 1315 erwähnten Unteramt der Landgerichts Landsberg war . 1580 hatte der Amtmann zu Egling vier Amtsknechte. Seit dem 17. Jahrhundert erscheint das Unteramt in die Gebiete Egling und Moorenweis unterteilt, dort hatten jeweils Amtsknechte ihren Sitz. Egling war also in der Gerichts- und Verwaltungsorganisation der zentrale Ort im heutigen unteren Landkreis.

Grundherrschaft

Während die Grafschafts- und höheren Gerichts- und Vogteirechte an die Landesherrschaft überging, bestand die Grundherrschaft fort bis zu ihrer Aufhebung 1848. Grundherrschaft bedeutet, daß die Bauernanwesen im (Ober-)Eigentum des Grundherren standen, während den Bauern als Grundholden und Bewirtschafter nur eine Art Nutzeigentum verliehen war(Grundleihe) . Die Grundholden waren ursprünglich sämtliche leibeigen; die Leibeigenschaft verflüchtigte sich jedoch im Herzogtum Bayern immer mehr zu einer Abgabe .
Seit frühester Zeit standen die meist leibeigenen Bauern (Grundholden) unter der Herrschaft des Adels und dann der Kirche. Freibauernhöfe sind nur für die Zeit der Besiedung anzunehmen. Spätstens seit der Karolingerzeit stehen jedoch ausch sie unter einem Grundherren. Wir können davon ausgehen, daß die Grundherrschaft ursprünglich in einem Dorf einheitlich war. Der zentrale Amthof der Grundherrschaft war dabei der Maierhof (curia villicalis, Fronhof), wie er auch für Egling im 13. Jahrhundert belegt ist . Sein Inhaber, der Maier, war sowohl der Beautragete der Grundherrschaft als auch der Bewirtschafter des Maiergutes. Bei ihm mussten die übrigen Höfeinhaber des Dorfes, die Huber, ihre Abgaben abliefern. Der Maier war auch zuständig für dörfliche Angelegenheiten. Im Hochmittelalter löste sich die Fronhof- bzw. Maierhofsverfassung auf, da die Grundherrschaft im Dorfe durch Erbgänge und Schenkungen sich immer mehr aufsplitterte, wie wir dies auch bei Egling feststellen können. Der Maierhof wurde meist geteilt und ihre Inhaber wurden Bauern wie die übrigen. Eine besondere Rolle spielte dabei der Sedlhof, der zu einem in der Nähe liegenden Adelssitz gehörte. In Oberegling ist ein solcher 1391 bezeugt .

Es sind vor allem die Aufzeichnungen der Kirchen und Klöster, welche die frühesten Nachrichten über die Grundherrschaft enthalten, meist seit dem 11./12. Jahrhundert. Die älteste Nachricht stamm, wie schon erwähnt, aus dem Kloster St. Ulrich und Afra zu Augsburg, dem um 1130 ein Edler namens Popp einen Hof zu Egling schenkte . Seit dem 13. Jahrhundert ist die Grundherrschaft in Egling bereits stark aufgesplittert.
Die einzelnen Grundherrschaften sind in der Egling Chronik S. 46 aufgeführt, wobei sie jedoch irrtümlicherweise mit der Zehntherrschaft vermengt wurde. Deswegen wurden die Grundherren unten in einer neuen Übersicht wiedergegeben. Wegweisend zur lohnenden Erforschung der Eglinger Grundherrschaften ist Wilhelm Liebharts Untersuchung der Grundherrschaft des Kloster St. Ulrich und Afra zu Augsburg in Egling. Die Grundherrschaftsgeschichte ist neben den Matrikeln die wichtigste Quelle zur Familiengeschichte, von denen einige im Manuskript vorliegen.

Die Eglinger zu Egling

Das Geschlecht der Eglinger hat erstmals Anton Steichele eingehender erforscht, später wurden dann zahlreiche Belege in der Eglinger Chronik zusammengetragen . Zuletzt ist die Familie in der Neuherausgabe der Güterschenkungsbücher von Wessobrunn und St. Ulrich und Afra in Augsburg eingehender behandelt . Darnach sind seit dem 12. Jahrhundert ritterliche Ministerialen der Grafen von Andechs in Egling nachzuweisen, aus deren Familie auch die ersten Pfarrer von Egling stammten. Wir können diese Familie, deren Mitglieder im 13. Jahrhundert im Gefolge der bayerischen Herzögeerscheinen, bis ins 14. Jahrhundert mit ihrem Dreizack-Wappen auf einigen von ihnen besiegelten Urkunden verfolgen. 1251 ist bereits ein Eglinger Bürger von Augsburg. Sie saßen auch zu Mering und Erringen. 1323 werden Kunrat und Berchtold von Egling „Kirchensäzze" genannt, d.h. sie hatten den einträglichen Kirchensatz = Patronatsrecht der Pfarei Egling inne. Dieses Recht müssen sie verloren haben, als Kaiser Ludwig der Bayer 1339 den Kirchensatz der Kirche von Egling, welche vom Herzogtum Bayern zu Lehen geht, mit allen Nutzungen dem Kloster Ettal schenkte. Der Entzug dieser Rechte mag die Eglinger in ihren wichtigsten Rechten zu Egling getroffen haben. Ihr Grundbesitz muß immer mehr in großer Zersplitterung teils an weltliche Hände, teils an geistliche Stiftungen gekommen sein, wie wir unten sehen.

Während die Abgrenzung der Eglinger in Egling zu den in Egling bei Wolfratshausen sitzenden Eglingern heute ziemlich gelöst ist, bleibt als großes Problem bei den Eglingern zu Egling, daß wir nicht genau wissen, wo ihre Burg und ihr Sitz in Egling sich befand. Steichele schreibt, daß von ihrem Edelsitze keine Spur mehr vorhanden ist, und nicht einmal der Platz,wo er stand lässt sich mit Sicherheit ermitteln .Die Eglinger Chronik von 1954 meint, daß der in der Nähe der Blasiuskapelle liegende Frietingerhof der Edelsitz der Eglinger war . Dagegen spricht jedoch der Umstand, daß dieser Hof bereits 1170 an das Kloster Dießen kam, die Eglinger aber noch lange nachher dort saßen. Wir müssen nach anderen Örtlichkeiten Ausschau halten.

Dafür haben wir einen wichtigen, wenn auch späten Hinweis, der bis jetzt nicht beachtet wurde. 1399 verkauften Ortlof der Sandizeller von Sandizell und seine Ehefrau Margret, Tochter des Hermann von Er(g)esingen, an Hermann den Swygger von Gundelfingern zu Seefeld, Herr der Veste Dünzelbach seit 1385 , ihre eigenen Güter zu „Obern Egling", nämlich den "perc von

[Abb. Urkunde von 1391]

obern egling und was dar zu gehoert", der Sedlhof, der Hof an der Trat, den Hof am Baumgarten und den Eglinger Anger bei „Pergen" . Die besondere Erwähnung eines „percs" mit Zugehörungen weist darauf hin, daß es sich um einen abgegangenen Burgstall handelt, also um die Stelle, wo einmal eine Burg stand. Den „Berg" hatten die Sandizeller, ein angesehenes bayerisches Landsassengeschlecht, wohl von den Eresingern, einem benachbarten Kleinadelsgeschlecht, durch Heirat eingetan. Wolfgang Aresinger zu Türkenfeld hatte noch um 1500 einen Hof zu Egling, wobei fraglich ist ob Aresing mit Eresing identisch ist . Vermutlich splitterte der Besitz der Eglinger, die in mehrere Linien verzweigt waren, schon im 14. Jahrhunderts durch Erbteilungen und Verkäufe in verschiedene Hände auf. Nicht selten ging dabei der Stammsitz an andere Besitzer über. Klöster kauften dann zuletzt die aufgesplitterten Besitzteile auf, wie es in unserem Falle St. Ulrich und Afra zu Augsburg.

[Abb.]Der „Berg" ist heute noch auf der Karte auszumachen. Es ist das Dreieck, das durch zwei Der Berg zu ObereglingHohlwege abgegrenzt ist, die vom Paartalabhang spitzförmig nach Osten beim „Grepper"(=der am Hohlweg Wohnende) zusammenführen. Das Plateau, auf dem wohl einst eine Turmhügelburg stand - wie im benachbarten Merching und heute noch in Althegnenberg -, ist auf dem Urkataster 1808 und auch heute noch deutlich zu erkennen. Die Hausnamen „Bargalaschuster" und „Bargalaschneider" nehmen auf ihn Bezug. Wann Burg und Turmhügel
abgetragen wurde, ist nicht überliefert, doch dürfte dies schon im 14. Jahrhundert der Fall gewesen sein. 1391 ist nur noch der „perc" erwähnt, der nicht einmal mehr als Burstall (Burgstelle) bezeichnet wird. Es ist nicht ausgeschlossen, daß man die Steine der kleinen Burg wie anderswo zum Bau einer Kirche, hier der St. Ulrichkapelle verwendet hat.


Auf den ehemaligen herrschaftlichen Sitz weist auch der Sedlhof hin, der noch bis ins 17. Jahrhundert zu verfolgen ist. Vielleicht können wir ihn urkundlich erstmals fassen, als 1340 der in finanzelle Schwierigkeiten geratene Ulrich von Eglingen als Pfand für säumige Zinszahlung für die sog. Hufe „in der Zell" zu Eglingen dem Kloster Ulrich und Afra den „Halbteil seines Eigenhofes bei Sant Blesin daselbst" (bebaut von Chunrat in der Tunk) setzte, während der andere versetzte Halbteil des Hofes den Pfandnehmern Chunrat den Pelhamer und Vrich den Adlungshouer zufallen sollte. Da der zweite „bei St. Blasius" liegende [Fritinger-]Hof dem Kloster Dießen gehörte, könnte es sich hier nur um den späteren Wangerbauern handeln, der so als Sedlhof zu identifizieren wäre, der bis zum 17. Jahrhundert im Besitz des Klosters St. Ulrich und Afra war. (Wie das Kloster Fürstenfeld 1752 in den Besitz des Wangerbauernhofs kam, konnte bis jetzt nicht geklärt werden).
Die andere, wahrscheinlichere Identifikationsmöglichkeit ergäbe sich aus dem Umstand, daß das Plateau (Wiese) auf dem Berg bei St. Ulrich in den ältesten Katastern 1808 ff. zum Bruckbergerhof (Hs.Nr. 86) gehörte. Da der Bruckberger-Hof zum Kloster Wessobrunn gehörte, müsste der halbe ulrikanische Zubauhof der Sedlhof oder eine Teil desselben gewesen sein.

Die alten Eglinger Dorgemeinden 1809

Bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es nur sogenannte bäuerliche Wirtschaftsgemeinden bzw. Dorfgemeinden; die uns heute geläufigen politischen Polizeigemeinden wurden erst 1818 ff. errichtet . Die Gemeinde Egling umfasste mit Egling und Hattenhofen damals 123 Familien . Ober- und Unteregling wurde nicht mehr unterschieden. Es wäre jedoch noch zu erforschen, ob in Oberegling alte Ortsschaftsrechte wie z.B. in Wabern weiterbestanden.
Hier interessiert, daß es vor der politischen Gemeindebildung in Ober- und Unteregling je eine „Gmua" , Dorfgemeinde mit eigenem Besitz gab. Es waren dies bäuerliche Wirtschaftsgemeinden, die vor allem das Wirtschaften in der Dreifelderwirtschaft organisierten und für Ruhe und Ordnung im Dorf sorgten. Im Kataster von 1809 werden als „General Anmerkung" die Eglinger Gemeinden wie folgt beschrieben:
„Das große Dorf Egling ist in das Ober- und untere Dorf abgetheilt, und bestehet aus 2 Gemeinden; der des obern, und jener des untern Dorfes; jede Gemeinde hat seine besondere Gemeindsgründe welche jede derselben besonders zur Waidenschaft gemeinschaftlich benützt. Die Gründe der untern Gemeinde sind schlechterer Bonität, als jene der obern Gemeinde, und dahero konnten die Schätzleute den Nutzanheil für erstere auf jedes Söld- und Hofgut nur 15: jenen der obern Gemeinde aber auf 18 für Anschlag bringen. Die Holzgründe nähern sich wegen ihres schlechtern Grundinhalts dem mittlern Werth keineswegs. Es konnte daher das Tagwerk im Ortsmaaaß ad 1 ½ baierisch Tagwerk nicht höher als zu 40 fl. in Anschlag gebrachten, ohne daß eine Erhöhung dabei statt haben konnte. Sämtliche Krautgründe wurden analog nach dem Faktor der Acker begutachtet.... .
1752 besaß die Dorfgemeinde Oberegling 8 und die Dorfgemeinde Unteregling 7 Söldenanwesen (1/16), die an Söldner (Kleinbauern) verstiftet (verliehen) waren. In beiden Dorfgemeinden waren die dörflichen „ehaften" Grundgewerbe Wirt, Müller, Schmid und Bader vorhanden. „ Dorfführer" bzw. Vierer, welches die obersten Organe der Dorfgemeinden waren, sind für 1784 bezeugt . Leider konnten bis jetzt keine weitern Quellen zur älteren Gemeindegeschichte ausgemacht werden. Es ist nicht bekannt, ob in Egling Dorfgerichte existierten und ob es Dorfweistümer (Rechtssatzungen) gab, aus denen das Dorfleben sich ermitteln ließe. Von den bäuerlichen Dorfgemeinschaften wissen wir, daß sie für die Ordnung in Dorf und Flur und das gemeinsame Wirtschaften in der Dreifelderwirtschaft Sorge trugen. Organe der Dorfgmein waren die Vierer, welche die sog. Jahrgmein einzuberufen hatten, auf denen sie Rechnung legen mussten. Neben dem Bader waren vor allem die Hüter von den Gemeinden angestellt. Vom nachbarlichen Wabern habe ich noch als Kind das Funktionieren der alten Ortsgemeinde noch erlebt, die mit der Gemeindereform in den 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts untergegangen ist.
Das „Bauernjahr" war vor allem vom Festzyklus der Kirche bestimmt, so wie ihn uns Karl Freiherr v. Leoprechting 1855 in seinem Buch „Aus dem Lechrain" in einmaliger Weise geschildert .

Das soziale Dorfgefüge

Der vorhin erwähnte Leoprechting spricht dieses an, wenn der die alten Bauernhäuser beschreibt: „Je nach dem Wohlstande seiner Bewohner sind die Häuser stattlich, haimlich oder nothig; die Stadeln oder Stallungen großmächtig oder klein beisammen. Die bei weitem schönern Häuser findet man in den wahrhaft prächtigen Dörfern des Unterlandes......Die Ausdehnung der so zahlreichen Bauernhöfe im Unterland grenzt an das Unglaubliche. Man sehe nur derselben Gebäude u.a. in Egling, Weil, Prittriching, Merhring, in deren je eines man gleich zehn polnische oder ungarische Schlösser hineinstellen könnte" . Auch wenn hier etwas übertrieben wird, so wird doch hier ein Charakteristikum des Unterlandes vorgeführt. In den meisten Schilderungen Oberbayerns ist nur meist nur von den behäbigen Bauernhöfen die Rede. Was dort unerwähnt bleibt, ist die Tatsache, daß in der örtlichen Sozialstruktur die Zahl der Söldner und Kleinanwesen (Kleinbauern und Handwerker) diejenige der großen Bauernhöfe um ein Vielfaches überstiegen hat: Den 10 größeren Hofbauern standen in Egling über 70 Kleinanwesen, also Söldner (mit oder ohne Handwerk/Gewerbe) und Leerhäusler gegenüber! Deren Kinder mußten nach der Schulpflicht mit 12 Jahren zum Dienst bei den Bauern, wo sie lebenslang bleiben mussten, falls sie nicht in ein kleines Anwesen einheiraten konnten. Luitpold Klotz bezeichnete die Situation dieser Schicht als ungewöhnlich hart. Tatjana Husl wollte deswegen weniger das Leben der Bauern, als das der „ärmeren Anwesensbesitzer" beschreiben, „die doch die wesentlich breitere Bevölkerungsschicht ausmachte": Dies ist ihr mit der Methode der sog. Oral History sehr anschaulich gelungen! Ich selbst habe mich in meinen wissenschaftlichen Arbeiten immer wieder mit den sog. ländlichen Unterschichten befasst. Unten habe ich auch über das Leben meiner Egling Großmutter berichtet, die aus dieser Schicht stammt.
Blicken wir kurz auf die Geschichte der Kleinanwesen zurück, so sind solche bereits im zweiten Herzogsurbar von 1280 erwähnt. Nach dem Landrecht Ludwigs des Bayern von 1347 durfte jeder Hof zwei Hintersassen haben. Der größere Teil der späteren Kleinanwesen dürfte jedoch erst später enststanden sein. Die Grundherrschaft dieser Anwesen gibt uns einen Hinweis, wer ihre Ansiedlung betrieben hat: Es waren vor auch die Ortskirche und die Dorfgemeinden, die hier aktiv wurden, um den Besitzlosen eine Heimstatt zu bieten und damit die Verehelichung zu ermöglichen. Aber auch der Landesherr und der Adel hatte ein Interesse an der Peuplierung, wie die große Zahl ihrer Sölden zeigt. Durch die Söldenansiedlung sind Unter- und Oberegling erst zu Dörfern geworden; bis zum Hochmittelalter bestanden hier nur einige Gehöftegruppen, wie dies bei Hattenhofen bis heute der Fall ist, weil hier eine Pfarrkirche, Adelssitz und Gemeinde fehlte.

Obwohl in Egling die kleinen Anwesensbesitzer die überwiegende Mehrheit bildete, so bestimmte doch der Hofbauer das Dorf- und Gemeindeleben, weil Söldner und Dienstboten vom Bauern lebenslang abhängig waren. Der soziale Gegensatz war jedoch bis 1848 gemildert, weil beide Gruppen in gleicher Weise unter der Grundherrschaft standen. Nach der Bauernbefreiung konnte sich Klein- und Großbauern wirtschaftlich frei im kapitalistischen Sinne, wenn wir diesen Begriff schon anwenden wollen, entwickeln. Welche Auswirkungen dies im einzelnen hatte ist noch kaum untersucht. Hier seien einige Beobachtungen von Egling mitgeteilt. Grundsätzlich ist zu sagen, daß sich die alte Anwesenstruktur und damit auch das soziale Dorfgefüge bis in die Zeit nach dem 2. Weltkrieg erhielt. Doch dürfte sich erst nach 1848 die Dominanz der großen Höfe entwickelt haben und damit den Bauernstolz hervorgebracht haben, wie wir ihn noch gekannt haben. Doch mussten auch die Höfe gut wirtschaften. Wenn dies nicht der Fall war, sprang keine Grundherrschaft mehr ein, sondern der Hof kam auf die Gant zur Versteigerung. In Egling war dies bei den größeren Höfen nur beim Xanderbauer der Fall, dessen Gebäulichkeiten 1852 vom Unteren Wirt eingesteigert wurden und damit von der Höfelandschaft verschwunden ist. Wie die freie Wirtschaft eine erstaunliche Gutserweiterung ermöglichte, dafür sei der Untere Wirt als Beispiel angeführt, der ehedem nur als 1/16 -Kleinanwesen steuerlich eingestuft war. Schon zur Zeit der Grundherrschaft hatte er mehrere ehedem selbständige Höfe als sog. „Zubauten" mitbebaut, nämlich den ganzen Holzapfelhof und den halben Ulrichshof (Kataster 1809). 1833 erkaufte der Wirt Anton Spitzweg das nachbarliche Weberanwesen (Nr. 39). Beim Alten Wirt (Nr. 4o) wohnte 1809 die „Alte Wirtin" Magdalena Bernhard (Kataster). 1901 wurde ein Ökonomiegebäude erstellt, das die ehemaligenGebäude Nr. 39 und 40 umfaßte. 1872 erkaufte der damalige Wirt das Kugler-Anwesen (alte Hs. Nr. 38) und ließ es abbrechen, um an seiner Stelle der Pferdestall zu erbauen. 1900 ließ der Wirt Paul die Gebäude des Lacher-Anwesens (Nr.37) einreißen, wo nun ein Garten angelegt wurde. 1852 wurde der große Xanderhof zertrümmert; das Haus (Gebäulichkeiten) kaufte, wie schon erwähnt, der Wirt, der es 1894 abbrechen ließ bis auf ein kleines Remisegebäude, das heute noch steht. Große Teile des Grundbesitzes vom Xanderhof kamen 1852 wohl auch an den Kramer, 1809 noch 1/16 Kleinanwesen. 1887 erkaufte Simon Bacher vom Kramer das gegenüberliegende Webergütl (Nr. 35) , das er abbrechen und an seiner Stelle den Pferdestall mit Ökoomiegebäude erbauen ließ.
Bei den kleinen Anwesen lässt sich gleichfalls in vielen Fällen eine Besitzkontinuität über die männliche und weibliche Linie feststellen. Die Gütler, wie sie nun benannt wurden, waren jedoch wie schon vorher, so auch nach der Grundentlastung mobiler und wechselten öfter das Anwesen, wenn eine Verbesserung der Situation zu erwarten war. Die Verbesserung des Landbaus (Stallfütterung, Kunstdünger) kam auch den Kleinanwesen zu gute. Auch den Handwerkern kam anfänglich die Industrialisierung zugute, wenn man von einigen Berufen wie z.B. den Webern absieht.

Das alte Dorf im Wandel durch Industrialisierung, Technik und Modernisierung seit dem 19. Jahrhundert

Land und Dorf erleben seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts einen Umbruch, wie ihn die
Geschichte des Bauernstandes bisher noch nie gekannt hat. Derr Dienstbotenstand ist gänzlich verschwunden. Aufgegeben wurden dann auch fast alle landwirtschaftlichen Kleinanwesen und Handwerke. Die verbliebenen Höfe sind zu Farmen mit modernster Agrartechnik geworden. Das alte Dorf mit seinen Vorzügen und Nachteilen ist zu einer Welt geworden, die wir verloren haben, die uns fremd geworden ist.
Diese Feststellung mag vielleicht für junge Menschen, die heute auf dem Lande leben, übertrieben erscheinen. Für sie ist die Volltechnisierung der Landwirtschaft mit all ihren Auswirkungen auf das bäuerliche und dörfliche Leben schon zu einer Selbstverständlichkeit geworden; die Jugend kann es sich gar nicht mehr vorstellen, daß es einmal anders gewesen sein könnte. Nur der alte Bauer mit 70 oder noch mehr Lebensjahren auf dem Rücken findet in seinem verdienten Austragsstüberl (oder Wohnhaus) hie und da Zeit, den Enkeln zu erzählen, wie es früher einmal auf dem Bauernhof und im Dorf ausgesehen hat . . .
Das Leben auf dem Dorf in früheren Zeiten und der durch die Volltechnisierung und In-
dustrialisierung bewirkte Umbruch im Grundgefüge des Dorfes ist schon seit gerau-
mer Zeit auch Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen von Soziologen und Histo-
rikern. Den Gesellschaftswissenschaftler interessiert vor allem die Umformung des dörf-
lichen Gemeinschaftslebens und die Veränderungen in der geistigen und seelischen Hal-
tung der Dorfbewohner. Er beobachtet, wie sich aus dem alten bäuerlichen-handwerkli-
chen Dorf im Zuge der Industrialisierung einsogenanntes „Arbeiter-Bauerndorf" entwik-
kelt, in dem die landwirtschaftlichen Kleinanwesen immer mehr abnehmen, dafür aber
eine Neuansiedlung von Arbeitern in Einfamilienhäusern stattfindet, die als sogenannte
„Pendler" in den nahegelegenen Städten oder in Industrieunternehmen Arbeit finden, die
in den Dörfern selbst neu gebaut wurden.
Man kann hier feststellen, wie das ursprünglich rein bäuerlich geprägte Dorfmilieu lang-
sam in Formen übergeht, die uns in vorstädtischen Stadtrandsiedlungen begegnen. In in-
dustriell noch wenig erschlossenen und verkehrsungünstig gelegenen Räumen wandelt
sich das alte Dorf, das durch seine Verbindung von bäuerlichen und handwerklichen
Betrieben gekennzeichnet war, zu einem reichen Bauerndorf um. Hier werden aus Grün-
den der Unrentabilität und des Lebensstandards die landwirtschaftlichen Kleinanwesen
und die kleinen Handwerksbetriebe von ihren Besitzern aufgegeben. Wie die statistischen
Erhebungen zeigen, schilderte Umstrukturierung im ländlichenBereich im vollen Gange.
Sie ist allerdings in den einzelnen Räumen verschieden weit fortgeschritten. Von 1980
bis 1990 wurden insgesamt 44000 Höfe in Bayern aufgegeben; 1989 waren es allein 9000.
Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe ab 2 ja LNF verringerte sich 2003 gegenüber 2001 um 9814 bzw. um 7,0% . Von 1949 bis 2003 nahm die Zahl der landwirtschaftlichen Anwesen ab 2 LF von 390 995 auf 130 611, also um 260 348 ab! Diese landesweiten Zahlen spiegeln sich auch auf örtlicher Ebene wieder, wie die Eglinger Verhältnisse zeigen.
Ist die wissenschaftliche Untersuchung der ländlichen Umstrukturierung Aufgabe der
Soziologen und Statistiker, so haben sich die Historiker bisher in erster Linie mit der Ent-
stehung von Dorf und Dorfgemeinde befaßt. Im 19. Jahrhundert glaubte die Rechtsge-
schichte ein für alle Mal bewiesen zu haben, daß am Anfang des ländlichen Gemein-
schaftslebens die freie germanische Markgenossenschaft stand, deren Mitglieder in einer
Art „Agrarkommunismus" die unverteilten Feld-, Wiesen- und Waldgründe nutzten.
Eine Auffassung, die große Auswirkungen auf das wissenschaftliche Lehrgebäude des
Marxismus hatte und hier auch noch vertreten wird, die aber durch die moderne Geschichtsforschung als überwunden gilt. Die Geschichtswissenschaftler, die sich mit der ländlichen Kommunalgeschichte beschäftigen, glauben heute zu wissen, daß die Dorf-
bildung durch das Zusammenwachsen von ursprünglichen Einzelhöfen beziehungsweise Höfegruppen unter grundherrschaftlicher Obrigkeit erfolgte, wobei natürlich der bäuerlichen Genossenschaft eine entscheidende Initiative zukam. Wo mehrere Familien und Nachbarn mit- und nebeneinander ihre Wohnstätten hatten, ergaben sich gemeinsame Aufgaben, die gemeinsam, gemeinschaftlich gelöst werden mußten. So wurden die ersten Grenzen gezogen, die ersten Wegeangelegt; die Siedlungen bedurften des gegenseitigen Austausches lebensnotwendigerGüter, des Saatgutes, der Handwerksgeräte und ihrer Verfertiger. Im Verlaufe der Zeit entstand die Notwendigkeit, über den Anbau, die Flurordnung Vereinbarungen zu treffen und hierfür Satzungen zu schaffen. Inder Auseinandersetzung mit dem Dorf- und Grundherrn, der von Anfang an da war, entstand dann langsam aus der Dorfgenossenschaft die Dorfgemeinde, die im bayerischen Räume vor allem bäuerliche Wirtschaftsgemeinde war.
Wie sich im einzelnen dann unsere Dörfer von der Zeit der Besiedlung (6.-8. Jahrhundert) bis in die Zeit unserer Großväter, also bis zum 19. Jahrhundert entwickelt haben, darüber berichtet eine Vielzahl von historischen Quellen, die leider für den altbayerischen Raum noch viel zu wenig ausgeschöpft und ausgewertet sind. Obgleich die Grundbedingungen bäuerlichen Lebens und Wirtschaftens bis zur Umwälzung, die die Technisierung der Landwirtschaft und die Industrialisierung des Landes mit sich brachte, im wesentlichen die gleichen geblieben sind, so gab es in der Geschichte der Landwirtschaftdoch auch Zeiten, in denen es Fortschritte
und Neuerungen gab. So spricht man sogar neuerdings von einer kleinen „Revolution" in (/)
der Landwirtschaft, die sich seit dem elften und vor allem im zwölften Jahrhundert in
unseren Dörfern ereignet hat. Während man bis dahin nur mit einem Hakenpflug den
Boden bearbeitet hatte, kam nun als technische Verbesserung der Räderpflug mit dem
Streichbrett in Gebrauch, der die Erde tiefer umgräbt, sie besser lockert und so der Saat
einen besseren Stoffwechsel und Schutz und damit einen höheren Ertrag ermöglicht. Man
erfand Vorrichtungen, durch die die tierische Zugkraft wirksamer als bisher eingesetzt
werden könnte.
Als entscheidender Fortschritt kommt seit dem elften Jahrhundert die zunehmende Ver-
wendung von Eisen bei der Herstellung des Werkzeuges hinzu, ebenso die Einführung
der Dreifelderwirtschaft, die bei uns bis in die Zeit des zweiten Weltkrieges hinein Be-
stand hatte. Die Dreifelderwirtschaft bedeutete bei ihrer Einführung einen wesentlichen
Fortschritt in der Verbesserung des Bodenertrags. Bedingte die vorher geübte Zweifelder-
wirtschaft einen Produktionsverlust von rund 50 Prozent, da wegen des Fehlens von
Dünger die Hälfte des Bodens als Brache liegen gelassen werden mußte, so stieg jetzt
der Erntezuwachs um ein Sechstel an, da nur mehr ein Drittel der Ackerfläche brach lag.
Alle diese technischen Neuerungen - über die wir heute angesichts unserer supermoder-
nen Motorpflüge und Mähdrescher vielleicht lächeln mögen - bedingten damals eine grö-
ßere Produktion, was die Ernährung einer im Wachstum begriffenen Bevölkerung - im
Zusammenhang mit der Ausweitung der Anbauflächen - ermöglichte. Was durch die
Motorentechnik des 20. Jahrhunderts und die neuzeitliche agrarwissenschaftliche For-
schung als „altes Eisen" außer Gebrauch gesetzt wurde, das war einmal ein großer Fort-
schritt!
Wie das Leben auf dem alten bayerischen Dorfe sich abspielte, zeigen uns Quellen, die
vor allem die volkskundliche Wissenschaft ausfindig macht und auswertet. Es sind ins-
besondere die Weistümer und Dorfordnungen aus dem 15. und 16. Jahrhundert, in
denen ländliches Leben der Zeit überliefert ist. Ausführliche Beschreibung eines Dorfes
besitzen wir jedoch selten. Umso dankbarer sind wir einem geistvollen und sehr aufge-
klärten Pfarrherrn aus Entraching, der für das Ende des 18. Jahrhunderts uns eine über-
aus anschauliche Schilderung seines Pfarrdorfes geliefert hat. Er hat sicher manches als
fortschrittlicher Geist zu scharf beurteilt und vielleicht auch verurteilt, doch in vielem bie-
tet er uns eine unersetzbare, lebensnahe Anschauung vom Leben eines lechrainischen
Dorfes um 1800, das in vielem auch für Wabern gilt. Lassen wir ihn erzählen:
Die alten Häuser haben in- und auswendigein schlechtes Aussehen; sie sind ganz von-
Holz gebaut; der Stubenstock ist außenher mit Leimen (Lehm) angeworfen, und mit
Kalk überweißt. Die wenigen neuen Häuser sind von Stein gebaut und mit einem Kamin
versehen. Die Dächer sind mit groben Schindeln, die gegen große Windstöße mit großen Stein beschwert werden bedeckt, wie es in der ganzen Gegend der Brauch ist. (Im Unterland Strohdächer!) Die Einwohner zeigen sich nicht als große Liebhaber der Arbeit. Besonders haben sie einen unüberwindlichen Haß gegen neue Versuche:
„Wir schwitzen und plagen uns, sagen sie, schon bei unserngewöhnlichen Arbeiten genug".
Ein Bauer, dem es zum Bierkrug zu gehen entweder an Lust, oder am Gelde fehlt, liegt, die Kirchen und Mittagsstunde abgerechnet, ganze 3, 4 und wohl auch 5 Feiertage hinter einander unverrückt auf seiner Ofenbank, ohne über Langeweile zu klagen. Diese nennt er seine guten Tage. Der Bauer zu Entraching hat keine andere Erwerbs- und Nahrungsquelle als seinen naßkalten Acker und seine mageren Wiesen. Aus dem Produkt dieser Gründe muß er sich, seine Familie und sein Vieh ernähren, muß sich die nöthigen Haus- und Ackergeräthe beschaffen, muß seine Behausung in baulichem Stand erhalten, muß seine Dienstboten und Tagelöhner bezahlen und verkosten, muß Steuern und Abgaben enrichten, muß der Grundherrschaft seine jähr-
liche Stift reichen, muß dem Pfarrer den Zehent lassen, muß die Hirten und Handwerks-
leute bezahlen, den Müller und Mühlknecht,den Schergen, die Collectaneen und Bettell-
euten etc. befriedigen. . . Der hiesige Bauerhat ein unglückliches Mißtrauen gegen seine Obrigkeiten. Er sieht sie alle für seine Peiniger an, die es sich zum Geschäfte machen, ihm das Leben recht zu verbittern . . ."
Über Egling sind bis jetzt, wie schon ausgeführt, keine derartigen Beschreibungen aus alter Zeit zutagegekommen.

Die Technik kommt

Den Einzug vonr Industrialisierung und Technik in Landwirtschaft und Dorf, der seit dem 19. Jahrhundert zunächst schleichend in kleinen Rinnsalen, dann aber seit der 2.Hälfte des 20. Jahrhunderts einer Springflut gleich sich über das Land ergoß, kann man am besten dadurch veranschaulichen, wenn man sich das Auftreten der einzelnen Neuerungen chronologisch vergegenwärtigt. Für die Landwirtschaft hat die Mechanisierung und Technisierung Luitpold Klotz vorbildhaft vorbildhaft für seinen Heimathof in Hattenhofen aufgezeigt.Für Egling ist die folgende Aufstellung, gewonnen aus der Chronik von 1954, noch zu ergänzen:

1810 Ausbau der Distriktstraße Landsberg nach Mering
1873 Gründung des Veteranen- und Soldatenvereins
1874 Schulhausbau
1875 Freiwillige Feurerwehr
1893 Postagentur
1898 Eröffnung der Bahn Augsburg-Mering Weilheim
1802 Erste Telefonleitung
1908 Einrichtung des elektrischen Licht
1908 Gründung des Gesangvereins „Gemütlichkeit"
1911 Wasserleitung
1911 Darlehenskassenverein
1913 Gendarmeriestation
1920 Schützenverein Edelweiß
1925 Katholischer Burschenverein
1952 Erste Straßenteerung
1953 Erste Straßenbeleuchtung
1955 Flurbereinigung


Zur Ergänzung seien hier Angaben vom benachbarten Wabern angeführt:

Landwirtschaft
M.19. Jh. Erster Kunstdünger
E. 19. Jh. Erste Mähmaschine
E. 19. Jh. Erster Göpel (Huber)
Anf. 20. Jh. Erste Sämaschine
1914/15 Turbine und Lichtmaschine beim Müller
1919 Anchluß an das E-Netz: Elektormotoren
1920 Erste Dreschmaschine( Knollerbauer)
1928 Paarkanalisation
1929 Erster Ableger ( Huber)
ca.1943 Erster Dieselmotor mit 15 PS- Huber (Wirt)
1943 Erste Melkmaschine(Grundler)
1945 Erster Bindermäher( Huber)
ca. 1948 Erster gummibereifter Wagen ( Knollerbauer)
1950 Erster Traktor Kramer (Huber, Knollerbauer (Lanz)
1954 Erster Mähdrescher - Huber
ca. 1956 Flurbereinigung

Im Dorf und Haushalt:
Ende 19.Jh. Wasseranschluß mit Widder .
1898 Bahnstation, geschlossen ca. 1958
1915 Erstes Telefon - Huber (Wirt)
1919 Elekrizität: el. Licht, Geräte
ca. 1925 Erstes Motorrad(Sachs) Huber
ca. 1925 Erste Feuerwehrspritze
ca. 1936 Erster Radio(Grundler)
ca. 1951 Erstes Auto (Opel) Huber
Ca.1955 Bau der Hauptstraße (Asphaltierung)
ca. 1956 Erster Fernseher (Zöllner und Stenke)

_________________________________________________________________________

Fassung mit Fußnoten 

_________________________________________________________________________

Anmerkungen zur Eglinger Geschichte

Mit einem Anhang aus der meiner  Familiengeschichte 

                                                                                                                

  N.B. Korrekturfassung

 

Gleich eingangs ist zu sagen, dass Egling  eine respektable Ortschronik besitzt. Sie wurde 1954 verfasst vom langjährigen Hauptlehrer am Ort Johann Burkart. Was die Höfegeschichte betrifft, so führt die Chronik die 1911 erschienene historisch-statistische Ortsbeschreibung von Georg Rotter, gleichfalls Lehrer in Egling, weiter.[1] Burkarts Chronik ist auch heute noch die maßgebliche Grundlage für lokalhistorische Forschungen, auch wenn sie nach 50 Jahren ergänzungs- und verbesserungsbedürftig  ist. Die Chronik baut auch auf den 1862 erschienenen Artikel über die Pfarrei Egling in der Augsburger Bistumsbeschreibung von Anton Steichele auf[2].
Besonders wertvoll  für die Ortsgeschichte Eglings ist die 1990 von  Luitpold Klotz verfasste Arbeit: „Heimatgeschichte. Die Landwirtschaft im 20. Jahrhunderts“. Sie bietet eine umfassende Familien-, Hofgeschichte seines Heimathofes in Hattenhofen sowie einen Beitrag zur Ortsgeschichte, mit eigenen Kapiteln über  Handwerk, Vereine, Genossenschaften Sitte und Brauchtum, das kirchliche Leben wie auch über Katastrophen. Von einmaligem Wert sind seine Ausführungen über den Wandel auf dem Dorf, über den Übergang von der Handarbeit zur Motorisierung und Mechanisierung in der Landwirtschaft. Das mir im Manuskript vorliegende Werk verdient es heute noch gedruckt zu werden.
Tatjana Husl  beschrieb verdienstvoll 1997 „Die Knöpflesnacht und andere Geschichten aus dem Lechrain“, die sich vor,  in und nach dem Zweiten Weltkrieg in Egling begeben haben.
                                                                                            
Weiters sind zu erwähnen die zweibändige Ortsgeschichte vom benachbaren Schmiechen von Heribert Raab, die  interessante neue Belege zu Egling, vor allem zu Heinrichshofen bringt, das bis 1848 zum dortigen Schloß gehörte[3]. Auch die neue Chronik vom nachbarlichen Steindorf  von Franz Etzler ist für Egling einschlägig[4].  Nicht zu übersehen ist auch der Artikel Egling im Landsberger Heimatbuch von Landrat Bernhrad Müller-Hahl[5]. Sodann wurde Egling öfters in Bänden des Historischen Atlasses von Bayern und vor allem in neueren Quelleneditionen behandelt, die unten angeführt sind. 
 Als ortsansässiger Landeshistoriker habe ich mich immer wieder mit der Geschichte Eglings beschäftigt[6]. Schriftlichen Niederschlag haben diese Bemühungen im Historischen Atlas von Landsberg[7],  in der Renovierungsabschluß - Festschrift  von 1976 und im Kirchenführer von 1992 gefunden[8].  2000 hielt ich bei der Selbständigkeitsfeier der Gemeinde  Egling 2000 den Festvortrag. Seit 2001 beschäftigten mich aufgrund einer Anfrage die Umstände beim Absturz eines englischen Fliegers 1944 in Egling[9]. Nahezu fertig gestellt, jedoch ungedruckt ist die Häuser- und Höfegeschichte von Egling und Heinrichshofen.
Der folgende Beitrag  ist keine durchgehende Geschichte von Egling. Es handelt sich um  Einzelforschungen und  Einzelbeiträge zur geschichtlichen Entwicklung Eglings, wie ich sie mir aufgrund meiner Quellen- und Literaturstudien vorstelle, vor allem nach dem Abgleich mit der allgemeinen Geschichte[10]. Sie ergeben  in mancher Hinsicht ein neues Bild vom geschichtlichen
Werden Eglings.

 



Anmerkungen (I)

[1]  Ortsgeschichte von Egling und Heinrichshofen, Landkreis Landsberg am Lech.Erschienen in der Reihe: Unsere Heimat am Lechrain, hrsg. v. Bernhard Müller-Hahl, Bd. 5, Landsberg l954;  Egling mit Heinrichshofen. Historisch-statistisch beschrieben von J.Georg Rotter, Dießen 1911. 

[2] Anton Steichele, Das Bisthum Augsburg, historisch und statistisch beschrieben, 2. Bd. 1964, S. 353-462.

[3] Schmiechen und Unterbergen. Geschichte zweier Orte im Landkreis Aichach-Friedberg. 2 Bände, von Hubert Raab 1988(=Dissertation am Lehrstuhl für bayerische und schwäbische Landesgeschichte an der Universität Augsburg, Prof. Fried )

[4] Franz Etzler, Heimat an Steinbach und Paar.Ortschronik der Gemeinde Steindorf. Hrsgg. v.d.Gde.Steindorf 2002.

[5] Hrsgg. v. Bernhard Müller- Hahl 1966, S. 447 -449

[6] Forschungen zur bayerischen und schwäbischen Geschichte. Gesammelte Beiträge von Pankraz Fried zum 65.Geb. hrsgg.v. P.Fassl, W. Liebhart, W. Wüst. Schwäb.Forschungsgemeinschaft Augsburg 1997 . – Siehe auch die kleine Chronik meines Heimatdörfleins Wabern ( „800 Jahre Wabern 1190 –1990“).

[7]  P.Fried/S. Hiereth, Historischer Atlas der Landgerichte Landsberg und Schongau (=Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern H. 22/23)  München 1971

[8]  P. Fried, Die Pfarrkirche Egling – Denkmal eineinhalbtausendjähriger christlicher Geschichte. (In: 200 Jahre St. Vitus Egling. Festschrift zur 200-Jahrfeier mit Abschluß der Innenrenovation und Orgelweihe. Herausgegeben vom Kath. Pfarramt St. Vitus Egling 1976,  2. Aufl. 1984. – P. Fried, Zur Geschichte der Pfarrei Egling (In: Pfarrei Egling a.d. Paar. Ein Führer durch ihre Kirchen und Kapellen (Geschichte und Kunst) )1. Aufl. Ottobeuren l992

[9]  Anton Huber, Egling, 12.April 1944, 1245. In: Amperland 41. Jgg. 2005 S. 112 – 117.

[10] Max Spindler, Handbuch der bayerischen Geschichte, 4 Bde., 1967 ff.                    [Fortsetzung unten]

___________________________________________________________________________________

Grafschaftschaftszugehörigkeit im Früh- und Hochmittelalter (6.-13-Jh.). Die  Welfen



 

 

 

 

 

Egling dürfte ältester Zeit zum Augstgau gehört haben,  in dem vor allem das Geschlecht der Welfen Grafschaften besaß[1]. Die Welfen waren eines der berühmtesten Adelsgeschlechter es Mittelalters;  ihre Ahnen kann man bis in das 8. Jahrhundert zurückverfolgen. Die Welfin Judith war Gemahlin des Karolingerkaisers Ludwig des Frommen  (814 - 840) und Hemma, gleichfalls aus welfischem Hause, hatte dessen Sohn Ludwig den Deutschen (843-876) zur Frau. Während ein Zweig der Familie im 9. Jahrhundert zu Königen von Burgund aufstieg,  überlebten die ostfränkich/deutschen Welfen die Wirren des 10. Jahrhunderts als Großgrundherren vornehmlich in Ober- und Ostschwaben mit dem Zentrum Ravensburg, in Tirol und am Lechrain. Mit der Welfin Kunizza starb um1050 das Geschlecht im Mannesstamme aus. Doch zog ihr Sohn Welf aus der Ehe mit dem lombardisch/italienischen Markgrafen Azzo von Este über die Alpen nach Süddeutschland, um dort das welfische Erbe anzutreten. Von 1070 - 1101 war er  Herzog von Bayern. Er erbaute die Burg Peiting zu seinem Herrschaftsmittelpunkt am Lechrain und gründete 1078 das Kloster Rottenbuch.

Egling dürfte ältester Zeit zum Augstgau gehört haben,  in dem vor allem das Geschlecht der Welfen Grafschaften besaß[1]. Die Welfen waren eines der berühmtesten Adelsgeschlechter es Mittelalters;  ihre Ahnen kann man bis in das 8. Jahrhundert zurückverfolgen. Die Welfin Judith war Gemahlin des Karolingerkaisers Ludwig des Frommen  (814 - 840) und Hemma, gleichfalls aus welfischem Hause, hatte dessen Sohn Ludwig den Deutschen (843-876) zur Frau. Während ein Zweig der Familie im 9. Jahrhundert zu Königen von Burgund aufstieg,  überlebten die ostfränkich/deutschen Welfen die Wirren des 10. Jahrhunderts als Großgrundherren vornehmlich in Ober- und Ostschwaben mit dem Zentrum Ravensburg, in Tirol und am Lechrain. Mit der Welfin Kunizza starb um1050 das Geschlecht im Mannesstamme aus. Doch zog ihr Sohn Welf aus der Ehe mit dem lombardisch/italienischen Markgrafen Azzo von Este über die Alpen nach Süddeutschland, um dort das welfische Erbe anzutreten. Von 1070 - 1101 war er  Herzog von Bayern. Er erbaute die Burg Peiting zu seinem Herrschaftsmittelpunkt am Lechrain und gründete 1078 das Kloster Rottenbuch.

Da Herzog Welf im Investiturstreit auf der päpstlichen Seite agierte, verlor er durch Urteilsspruch Kaiser Heinrichs IV. 1078 die Augstgaugrafschaft diesseits des Lechs an den Grafen Arnold von Dießen, der im Investiturstreit die Sache des Kaisers verfochten hatte. Das welfische Hausgut Mering erhielten  die Welfen 1096 zurück. Herzog Welf II. der mit Mathilde, Markgräfin von Tuscien verheiratet  war, starb 1020 auf der Welfenburg  Kaufering. Später regierte Welf VI am Lechrain, wo der 1147 das Kloster Steingaden begründete. Doch auch sein Vetter Heinrich der Löwe hatte dort Besitz. Um 1160 errichtete er die Burg „Landsberg".  Auch in Egling scheinen welfische Ritter noch Besitz innegehabt zu haben.

Heinrich der Löwe, der auch Vogt des Klosters Wessobrunn war, das in unserer Gegen reichen Grundbesitz hatte, verlor 1180 Herzogtum und Macht in Bayern. Seine Nachfolger waren die Wittelsbacher. Welf VI. regierte noch bis zu seinem Tode 1191. Durch Vertrag hatte der seine Herrschaft den Staufern überschrieben, die nun auch als Herren am Lechrain auftreten. In Mering saß ihr Güterprobst, also ein Verwaltungsbeamter. Vom 11.-13. Jahrhundert waren die Staufer das wohl bedeutendste deutsche Herrschergeschlecht, das damals die meisten Könge und Kaiser stellte. Der letzte Staufer Konradin (+1268)  war mit seinem Oheim Herzog Ludwg von Bayern der Erbauer der Burg Friedberg[2].

 

Egling unter der Andechser Herrschaft (11.-13. Jahrhundert)

 

Die Andechser waren eines der bedeutendsten Hochadelsgeschlechter im mittelalterlichen Europa, die uns seit dem 11. Jahrhundert[3]. Vielleicht waren sie Nachkommen der alten Huosier, in deren Gau sie ihre in Baiern ihre Besitzungen hatte. Darüber hinaus hatten sie reichen Länderbesitz in  Tirol, Franken, Burgund und Istrien, sie waren Vögte  über das reiche Benediktinerkloster Benediktbeuern und das Bistum Aquileja bei Triest. 1180 stiegen sie zu Herzöge von Meranien, Dalmatien und Kroatien auf. Sie saßen zunächst auf der Schönenburg zu Dießen. Nach der Gründung des Klosters Dießen[4] um 1130 wechselten sie auf die andere Seite des Ammersees, wo sie die Burg Andechs erbauten, wonach sie sich fortan nannten.

 

Wie oben erwähnt, bekamen die Andechser 1068 die Augstgrafschaft und damit in unserem Raum die Burg Merching, wozu auch Egling gehörte, wie wir aus späteren Quellen wissen.

Graf Graf Arnold von Dießen, der auch Vogt von Benediktbeuern war,  ließ Egling von seinen Vasallen und Dienstmannen besetzen. Daß die Andechser Grafen in Egling herrschten, geht auch aus der Tatsache hervor, daß ritterliche Dienstmannen dort Besitz hatten und sich darnach nennen: Der Ministeriale des Grafen Berthold schenkte um 1140 sein Erbe zu „Hegelingen" dem neugegründeten Kloster Dießen.[5] Schon vorher, um 1130 schenkte ein Edler namens Popp, mit Sicherheit Graf Poppo von Andechs, ein Gut zu „Egelingen" dem Kloster St. Ulrich und Afra zu Augsburg.[6]1133 sind als Zeugen genannt Reginhart und Weriant  von „Eglingen"[7]. Diese und ihre Nachkommen könnten zunächst auf der Andechser Burg an der Stelle der späteren Pfarrkirche gesessen sein. Spätestens seit dem 13. Jahrhundert sitzen die Eglinger  jedoch auf der Burg in Oberegling (siehe unten).

 

 Seit dem Hochmittelalter (11.-13.Jahrhundert) sprießen  in ganz Europa Burgen, Märkte und Städte aus dem Boden, zunächst in Frankreich und Italien, und dann ein Jahrhundert zeitversetzt seit dem 12. Jahrhundert auch in Deutschland[8]. Ursache ist die Entfaltung der des Rittertums und dann Städtewesens; auf dem Lande ist es die  Bevölkerungsvermehrung. Auch bei den Höfen zu

 

Egling, die, wie wir gesehen haben, damals den Grafen von Andechs bzw. ihren Lehnsleuten gehörten, muß sich in dieser Zeit etwas gerührt haben. Es ist begründet anzunehmen, daß im l2. Jahrhundert in Unteregling eine andechsische Burg oder Wehranlage dort, wo heute die Pfarrkirche steht, stand und darunter ein Markt neu angelegt wurde. Burgen- und Marktgründung erfolgte wie überall  im Zeichen der Intensivierung der Landesherrschaft, um zu größerer Herrschaft und damit auch zu größeren Abgaben zu kommen. Solche waren primär von den Abgaben aus Märkten und Städten zu erzielen. Es sind wohl die  Neugründung eines Marktes und der Neubau einer Pfarrkirche in Untergling gewesen, welche die älteren Rechte  von St. Blasius in Altegling einschränkten. Die Andechser haben also Egling entscheidend geprägt[9]. Seit 1209 setzten im andechs-wittelsbachischen Krieg unruhigen Zeiten für das neue Egling ein. Während von einer Burg später keine Rede mehr ist, gingen Markt und Kirche in Unteregling nach dem Aussterben der Andechser Grafen 1248 an die Wittelsbacher Herzöge  über, was die späteren Urkunden beweisen. 

 Karte B. Müller-Hahl

Egling in der wittelsbachischen Landesorganisation

Im 13. Jahrhundert vollzog sich eine große innere Umwälzung in Bayern. Die einstmaligen Fürsten und Grafen starben der Reihe nach aus; ihre Besitzungen fielen meist an das Geschlecht der Pfalzgrafen von Wittelsbach, der ehemaligen Grafen von Scheyern, die seit 1180 Herzöge von Bayern waren. Gleichzeitig erfolgte  eine Neuorganiation des Landes auf der Grundlage einer Burgenverfassung.[10]

Das  andechsische Erbe war 1248 angefallen, die welfisch-staufischen Güter mit der sog. Konradinischen Erbschaft 1269  nach dem Tode letzten Staufers Konradin zu Neapel 1268.

Der gesamte Besitz ist zum ersten Mal Abgabe für Abgabe und Hof für Hof aus dem Salbuch der Wittelsbacher von ca.1280 zu ersehen. Neu gegenüber dem ersten Herzogsurbar von ca. 1230  erscheint Amt Landsberg, das also  neu erichtet worden sein muss. Jedoch bestanden alte Ämter weiter;  n eben dem ehemals welfisch-staufischen  Amt Mering  ist auch das ehemalige andechsische Amt Merching aufgeführt, zu dem  Güter und Abgaben in Egling gehörten, und zwar der Fronhof (curia villicalis), zwei Huben „genannt in dem Brunnen"[11],  eine Mühle, der Marktzoll, ein Holzlehen, 5 Hofstätten, von denen eine der Herzog der Kirche übergab[12].  Im dritten Herzogsurbar von 1330 ist Merching dem  Amt Landsberg einverleibt, dabei erscheint folgender Besitz in Egling[13]: Die schon genannten 2 Huben in dem Brunnen, die Marktzollabgaben, zwei Hofstätten. Die Vogteiabgaben von den (4)  Höfen zu Egling gehörten noch zu Merching. Den  Fronhof (cura villicais)  zu Egling besaß  1330 die Schauensteinerin (Schawenstainerinn) als Pfand.  Die im 14. Jahrhundert erwähnte Landschranne zu Egling, auf der der Landrichter von Landsberg Gericht hielt, mag noch auf die Andechser zurückgehen[14].  Ebenso lag 1370 ein herzoglicher Amtshof in Egling, was darauf hinweist, daß damals Egling schon Sitz des Amtmanns iin dem seit 1315 erwähnten Unteramt der Landgerichts Landsberg war[15]. 1580 hatte der Amtmann zu Egling vier Amtsknechte. Seit dem 17. Jahrhundert erscheint das Unteramt  in die Gebiete Egling und Moorenweis unterteilt, dort hatten jeweils Amtsknechte ihren Sitz. Egling war also in der Gerichts- und Verwaltungsorganisation der zentrale Ort im heutigen unteren Landkreis.

Grundherrschaft

Während die Grafschafts- und höheren Gerichts- und Vogteirechte an die Landesherrschaft überging, bestand die Grundherrschaft fort bis zu ihrer Aufhebung 1848. Grundherrschaft bedeutet, daß die Bauernanwesen im (Ober-)Eigentum des Grundherren standen, während  den Bauern als Grundholden und Bewirtschafter  nur  eine Art Nutzeigentum verliehen war(Grundleihe)[16].  Die Grundholden waren ursprünglich sämtliche leibeigen; die Leibeigenschaft verflüchtigte sich jedoch im Herzogtum Bayern immer mehr zu einer Abgabe[17].

Seit frühester Zeit standen die meist leibeigenen Bauern (Grundholden)  unter der Herrschaft des Adels und dann der Kirche. Freibauernhöfe sind nur für die Zeit der Besiedung anzunehmen. Spätstens seit der Karolingerzeit stehen jedoch ausch sie unter  einem Grundherren.  Wir können davon ausgehen, daß die Grundherrschaft ursprünglich in einem Dorf einheitlich war. Der zentrale Amthof der Grundherrschaft war dabei der Maierhof (curia villicalis, Fronhof), wie er auch für Egling im 13. Jahrhundert belegt ist[18]. Sein Inhaber, der Maier, war sowohl der Beautragete der Grundherrschaft als auch der Bewirtschafter des Maiergutes. Bei ihm mussten die übrigen Höfeinhaber des Dorfes, die Huber, ihre Abgaben abliefern. Der Maier war auch zuständig für dörfliche Angelegenheiten. Im Hochmittelalter löste sich die Fronhof- bzw. Maierhofsverfassung auf, da die Grundherrschaft im Dorfe durch Erbgänge und Schenkungen sich immer mehr aufsplitterte, wie wir dies auch bei Egling feststellen können. Der Maierhof wurde meist geteilt und ihre Inhaber wurden Bauern wie die übrigen. Eine besondere Rolle spielte dabei der Sedlhof, der zu einem in der Nähe liegenden Adelssitz gehörte. In Oberegling ist ein solcher 1391 bezeugt[19]. 

 

Es sind vor allem die Aufzeichnungen der Kirchen und Klöster, welche die frühesten Nachrichten über die Grundherrschaft enthalten, meist seit dem 11./12. Jahrhundert. Die älteste Nachricht stamm, wie schon erwähnt, aus dem Kloster St. Ulrich und Afra zu Augsburg, dem um 1130 ein Edler namens Popp einen Hof zu Egling schenkte[20]. Seit dem 13. Jahrhundert ist die Grundherrschaft in Egling bereits stark aufgesplittert.

Die einzelnen Grundherrschaften sind in der Egling Chronik S. 46 aufgeführt, wobei sie jedoch irrtümlicherweise mit der Zehntherrschaft vermengt wurde. Deswegen wurden die Grundherren  unten in einer neuen Übersicht wiedergegeben. Wegweisend zur lohnenden Erforschung der Eglinger Grundherrschaften ist Wilhelm Liebharts Untersuchung der Grundherrschaft des Kloster St. Ulrich und Afra zu Augsburg in Egling.[21] Die Grundherrschaftsgeschichte ist neben den Matrikeln die wichtigste Quelle zur Familiengeschichte, von denen einige im Manuskript vorliegen.

 

                                    Die Eglinger zu Egling

 

Das Geschlecht der Eglinger hat erstmals Anton Steichele eingehender erforscht, später wurden dann zahlreiche Belege in der Eglinger Chronik zusammengetragen[22]. Zuletzt ist die Familie in der Neuherausgabe der Güterschenkungsbücher von Wessobrunn und St. Ulrich und Afra in Augsburg eingehender behandelt[23]. Darnach sind seit dem 12. Jahrhundert ritterliche Ministerialen der Grafen von Andechs in Egling nachzuweisen, aus deren Familie auch die ersten Pfarrer von Egling stammten. Wir können diese Familie,  deren Mitglieder im 13. Jahrhundert  im Gefolge der bayerischen Herzöge erscheinen, bis  ins 14. Jahrhundert mit ihrem Dreizack-Wappen auf      einigen von ihnen besiegelten Urkunden verfolgen. 1251 ist bereits ein Eglinger Bürger von Augsburg. Sie saßen auch zu Mering und Erringen. 1323 werden Kunrat und Berchtold von Egling „Kirchensäzze" genannt, d.h. sie hatten den einträglichen Kirchensatz = Patronatsrecht  der Pfarei  Egling inne. Dieses Recht müssen sie verloren haben, als Kaiser Ludwig der Bayer 1339 den Kirchensatz der Kirche von Egling, welche vom Herzogtum Bayern zu Lehen geht, mit allen Nutzungen    dem Kloster Ettal  schenkte. Der Entzug dieser Rechte mag die Eglinger in ihren wichtigsten Rechten zu Egling getroffen haben.  Ihr Grundbesitz muß immer mehr in großer Zersplitterung teils an weltliche Hände, teils an geistliche Stiftungen gekommen sein, wie  wir unten sehen.

 

Während die Abgrenzung der Eglinger in Egling  zu den in Egling bei Wolfratshausen sitzenden Eglingern heute ziemlich gelöst ist, bleibt als großes Problem bei den Eglingern zu Egling, daß wir nicht genau wissen, wo ihre Burg und ihr Sitz in Egling sich befand. Steichele schreibt, daß von ihrem Edelsitze keine Spur mehr vorhanden ist, und nicht einmal der Platz,wo er stand lässt sich mit Sicherheit ermitteln[24].Die Eglinger Chronik von 1954 meint, daß der in der Nähe der Blasiuskapelle liegende Frietingerhof der Edelsitz der Eglinger war[25]. Dagegen spricht jedoch der Umstand, daß dieser Hof bereits 1170 an das Kloster Dießen kam, die Eglinger aber noch lange nachher dort saßen. Wir müssen nach anderen Örtlichkeiten Ausschau halten.

[Urkunde 1391]

Dafür haben wir einen wichtigen, wenn auch späten Hinweis, der bis jetzt nicht beachtet wurde. 1399 verkauften Ortlof der Sandizeller von Sandizell und seine Ehefrau Margret, Tochter des Hermann von Er(g)esingen, an Hermann  den Swygger von Gundelfingern zu Seefeld, Herr der Veste Dünzelbach seit 1385[26], ihre  eigenen Güter zu „Obern Egling", nämlich den "perc von  obern egling und was dar zu gehoert",  der Sedlhof, der Hof an der Trat, den Hof am Baumgarten und den Eglinger Anger bei „Pergen"[27].  Die besondere Erwähnung eines „percs" mit  Zugehörungen weist darauf hin, daß es sich um einen abgegangenen Burgstall handelt, also um die Stelle, wo einmal eine Burg stand. Den „Berg" hatten die Sandizeller, ein angesehenes bayerisches Landsassengeschlecht,  wohl von den Eresingern, einem benachbarten Kleinadelsgeschlecht,  durch Heirat eingetan. Wolfgang Aresinger zu Türkenfeld hatte noch um 1500 einen Hof zu Egling, wobei fraglich ist ob Aresing mit Eresing identisch ist[28]. Vermutlich splitterte der Besitz der Eglinger, die in mehrere Linien verzweigt waren,  schon im 14. Jahrhunderts durch Erbteilungen und Verkäufe in verschiedene Hände auf. Nicht selten ging dabei der Stammsitz an andere Besitzer über. Klöster kauften dann zuletzt die aufgesplitterten Besitzteile auf, wie es in unserem Falle St. Ulrich und Afra zu Augsburg.

 [2 Abb-]

Der „Berg"  ist  heute noch auf der Karte  auszumachen. Es ist das Dreieck, das durch zwei Hohlwege  abgegrenzt ist,  die vom Paartalabhang spitzförmig nach Osten beim „Grepper"(=der am Hohlweg Wohnende) zusammenführen. Das Plateau, auf dem wohl einst eine Turmhügelburg  stand  - wie im benachbarten Merching und heute noch in Althegnenberg[29] -, ist auf dem Urkataster 1808 und auch heute noch deutlich zu erkennen. Die Hausnamen „Bargalaschuster" und „Bargalaschneider" nehmen auf ihn Bezug. Wann Burg und Turmhügel

abgetragen wurde, ist nicht überliefert, doch dürfte dies    schon im 14. Jahrhundert der Fall gewesen sein. 1391 ist nur noch der „perc"  erwähnt, der nicht einmal mehr als Burstall (Burgstelle) bezeichnet wird.  Es ist nicht ausgeschlossen, daß man die Steine der kleinen Burg wie anderswo zum Bau einer Kirche, hier der St. Ulrichkapelle verwendet hat.

Auf den ehemaligen herrschaftlichen Sitz weist auch der Sedlhof[30] hin,  der noch bis ins 17. Jahrhundert zu verfolgen ist. Vielleicht können wir ihn urkundlich erstmals fassen, als 1340 der in finanzelle Schwierigkeiten geratene  Ulrich von Eglingen als Pfand für säumige Zinszahlung für die sog. Hufe „in der Zell" zu Eglingen dem Kloster Ulrich und Afra den „Halbteil seines Eigenhofes bei Sant Blesin daselbst"  (bebaut von Chunrat in der Tunk) setzte, während der andere versetzte Halbteil des Hofes den Pfandnehmern Chunrat den Pelhamer und Vrich den Adlungshouer  zufallen sollte.[31]  Da der zweite  „bei St. Blasius" liegende  [Fritinger-]Hof dem Kloster Dießen gehörte, könnte es sich hier  nur um den späteren Wangerbauern handeln, der so als Sedlhof zu identifizieren wäre, der bis zum 17. Jahrhundert im Besitz des Klosters St. Ulrich und Afra war. (Wie das Kloster Fürstenfeld 1752 in den Besitz des Wangerbauernhofs kam, konnte bis jetzt nicht geklärt werden). 

Die andere,  wahrscheinlichere  Identifikationsmöglichkeit ergäbe sich aus dem  Umstand, daß das Plateau (Wiese)  auf dem Berg bei St. Ulrich in den ältesten Katastern 1808 ff. zum Bruckbergerhof   (Hs.Nr. 86) gehörte. Da der Bruckberger-Hof zum Kloster Wessobrunn gehörte, müsste der halbe ulrikanische Zubauhof der Sedlhof oder eine Teil desselben gewesen sein. 

 

Die alten Eglinger Dorgemeinden bis 1818

 

Bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es nur sogenannte bäuerliche Wirtschaftsgemeinden bzw. Dorfgemeinden; die uns heute geläufigen politischen Polizeigemeinden wurden erst 1818 ff. errichtet[32]. Die Gemeinde Egling umfasste mit Egling und Hattenhofen damals 123 Familien[33]. Ober- und Unteregling wurde nicht mehr unterschieden. Es wäre jedoch noch zu erforschen, ob in Oberegling alte Ortsschaftsrechte wie z.B. in Wabern  weiterbestanden.

Hier interessiert, daß es vor der politischen Gemeindebildung in  Ober- und Unteregling je eine „Gmua" , Dorfgemeinde mit eigenem Besitz gab. Es waren dies bäuerliche Wirtschaftsgemeinden, die vor allem das Wirtschaften in der Dreifelderwirtschaft organisierten und für Ruhe und  Ordnung im Dorf sorgten. Im Kataster von 1809 werden als „General Anmerkung" die Eglinger Gemeinden wie folgt beschrieben:

„Das große Dorf Egling ist in das Ober- und untere Dorf abgetheilt, und bestehet aus 2 Gemeinden; der des obern, und jener des untern Dorfes; jede Gemeinde hat seine besondere Gemeindsgründe welche jede derselben besonders zur Waidenschaft gemeinschaftlich benützt. Die Gründe der untern Gemeinde sind schlechterer Bonität, als jene der obern Gemeinde, und dahero konnten die Schätzleute den Nutzanheil für erstere auf jedes Söld- und Hofgut nur 15: jenen der obern Gemeinde aber auf 18 für Anschlag bringen.  Die Holzgründe nähern sich wegen ihres schlechtern Grundinhalts dem mittlern Werth keineswegs. Es konnte daher das Tagwerk im Ortsmaaaß ad 1 ½ baierisch Tagwerk nicht höher  als zu 40 fl. in Anschlag gebrachten, ohne daß eine Erhöhung dabei statt haben konnte. Sämtliche Krautgründe wurden analog nach dem Faktor der Acker begutachtet....[34].

 1752 besaß die Dorfgemeinde Oberegling 8 und die Dorfgemeinde Unteregling 7 Söldenanwesen (1/16), die an Söldner (Kleinbauern) verstiftet (verliehen) waren. In beiden Dorfgemeinden waren die dörflichen „ehaften"  Grundgewerbe Wirt, Müller, Schmid und Bader vorhanden. „ Dorfführer" bzw. Vierer, welches die obersten Organe  der Dorfgemeinden waren, sind für 1784 bezeugt[35]. Leider konnten bis jetzt keine weitern Quellen zur älteren Gemeindegeschichte ausgemacht werden. Es ist nicht bekannt, ob in Egling Dorfgerichte existierten und ob es Dorfweistümer (Rechtssatzungen)  gab, aus denen das Dorfleben sich ermitteln ließe. Von den bäuerlichen Dorfgemeinschaften wissen wir, daß sie für die Ordnung in Dorf und Flur  und das gemeinsame Wirtschaften in der Dreifelderwirtschaft Sorge trugen. Organe der Dorfgmein waren die Vierer,  welche die sog. Jahrgmein einzuberufen hatten, auf denen sie Rechnung legen mussten. Neben dem Bader waren vor allem die Hüter von den Gemeinden angestellt. Vom nachbarlichen Wabern habe ich noch als Kind das Funktionieren der alten Ortsgemeinde noch erlebt, die mit der Gemeindereform in den 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts untergegangen ist.

Das „Bauernjahr"  war vor allem vom Festzyklus der Kirche bestimmt, so wie ihn uns Karl Freiherr v. Leoprechting 1855 in seinem Buch „Aus dem Lechrain" in einmaliger Weise geschildert[36]. 

Das soziale Dorfgefüge

 

Der vorhin erwähnte Leoprechting spricht dieses an, wenn der  die alten Bauernhäuser beschreibt: „Je nach dem Wohlstande seiner Bewohner sind die Häuser stattlich, haimlich oder nothig; die Stadeln oder Stallungen großmächtig oder klein beisammen. Die bei weitem schönern Häuser findet man in den wahrhaft prächtigen Dörfern des Unterlandes......Die Ausdehnung der so zahlreichen Bauernhöfe  im Unterland grenzt an das Unglaubliche.  Man sehe nur derselben Gebäude u.a. in Egling, Weil,  Prittriching, Merhring, in deren je eines man gleich zehn polnische oder ungarische Schlösser hineinstellen könnte"[37].   Auch wenn hier etwas übertrieben wird, so wird doch  hier ein Charakteristikum des Unterlandes vorgeführt. In den meisten Schilderungen  Oberbayerns ist nur meist nur von den behäbigen Bauernhöfen die Rede.  Was dort unerwähnt bleibt, ist die Tatsache, daß in der örtlichen Sozialstruktur  die Zahl der Söldner und Kleinanwesen (Kleinbauern und Handwerker)  diejenige der großen  Bauernhöfe um ein Vielfaches überstiegen hat: Den 10 größeren Hofbauern standen in Egling über 70 Kleinanwesen, also Söldner (mit oder ohne Handwerk/Gewerbe) und Leerhäusler gegenüber! Deren Kinder mußten nach der Schulpflicht mit 12 Jahren zum Dienst bei den Bauern, wo sie lebenslang bleiben mussten, falls sie nicht in ein kleines Anwesen einheiraten konnten. Luitpold Klotz bezeichnete die Situation dieser Schicht als ungewöhnlich hart. Tatjana Husl wollte deswegen weniger das Leben der Bauern, als das der „ärmeren Anwesensbesitzer" beschreiben, „die doch die wesentlich breitere Bevölkerungsschicht ausmachte": Dies ist ihr mit der Methode der sog. Oral History sehr anschaulich gelungen!  Ich selbst habe mich in meinen wissenschaftlichen Arbeiten immer wieder mit den sog. ländlichen Unterschichten befasst. Unten habe ich auch über das Leben meiner Egling Großmutter berichtet, die aus dieser Schicht stammt.

Blicken wir kurz auf die Geschichte der Kleinanwesen zurück, so sind solche bereits im zweiten Herzogsurbar von 1280 erwähnt. Nach dem Landrecht Ludwigs des Bayern von 1347 durfte jeder Hof zwei Hintersassen haben. Der größere Teil der späteren Kleinanwesen dürfte jedoch erst später enststanden sein. Die Grundherrschaft dieser Anwesen gibt uns einen Hinweis, wer ihre Ansiedlung betrieben hat: Es waren vor auch die Ortskirche und die Dorfgemeinden, die hier aktiv wurden, um den Besitzlosen eine Heimstatt zu bieten und damit die Verehelichung zu ermöglichen. Aber auch der Landesherr und der Adel hatte ein Interesse an der Peuplierung, wie die große Zahl ihrer Sölden zeigt. Durch die Söldenansiedlung sind Unter- und Oberegling erst zu Dörfern geworden; bis zum Hochmittelalter bestanden hier nur einige Gehöftegruppen, wie dies bei Hattenhofen bis heute der Fall ist, weil hier eine Pfarrkirche, Adelssitz und Gemeinde fehlte.

 

 Obwohl in Egling die  kleinen Anwesensbesitzer die überwiegende Mehrheit bildete, so bestimmte doch der Hofbauer das Dorf- und Gemeindeleben, weil Söldner und Dienstboten vom Bauern lebenslang abhängig waren. Der soziale Gegensatz war jedoch bis 1848 gemildert, weil beide Gruppen in gleicher Weise  unter der Grundherrschaft standen. Nach der Bauernbefreiung konnte sich Klein- und Großbauern wirtschaftlich frei im kapitalistischen Sinne, wenn wir diesen Begriff schon anwenden wollen, entwickeln. Welche Auswirkungen dies  im einzelnen hatte ist  noch kaum untersucht. Hier seien einige Beobachtungen von Egling mitgeteilt. Grundsätzlich ist zu sagen, daß sich die alte Anwesenstruktur und damit auch das soziale Dorfgefüge bis in die Zeit nach dem 2. Weltkrieg erhielt. Doch dürfte sich erst nach 1848 die Dominanz der großen Höfe entwickelt haben und damit den Bauernstolz hervorgebracht haben, wie wir ihn noch gekannt haben. Doch mussten auch die Höfe gut wirtschaften. Wenn dies nicht der Fall war, sprang keine Grundherrschaft mehr ein, sondern der Hof kam auf die Gant zur Versteigerung. In Egling war dies bei den größeren Höfen nur beim Xanderbauer der Fall, dessen Gebäulichkeiten 1852 vom Unteren Wirt eingesteigert wurden und damit von der Höfelandschaft verschwunden ist. Wie die freie Wirtschaft eine erstaunliche Gutserweiterung ermöglichte, dafür sei der Untere Wirt als Beispiel angeführt, der ehedem nur als 1/16 -Kleinanwesen  steuerlich eingestuft war. Schon zur Zeit der Grundherrschaft hatte er mehrere ehedem selbständige  Höfe als sog. „Zubauten" mitbebaut, nämlich den ganzen Holzapfelhof und den halben Ulrichshof (Kataster 1809). 1833 erkaufte der Wirt Anton Spitzweg das nachbarliche Weberanwesen (Nr. 39). Beim Alten Wirt (Nr. 4o) wohnte 1809 die „Alte Wirtin" Magdalena Bernhard (Kataster). 1901 wurde ein Ökonomiegebäude erstellt, das die ehemaligenGebäude Nr. 39 und 40 umfaßte. 1872 erkaufte der damalige Wirt das Kugler-Anwesen (alte Hs. Nr. 38) und ließ es abbrechen, um an seiner Stelle der Pferdestall zu erbauen. 1900 ließ der Wirt Paul die Gebäude des Lacher-Anwesens (Nr.37) einreißen, wo nun ein Garten angelegt wurde. 1852 wurde der große Xanderhof zertrümmert; das Haus (Gebäulichkeiten)  kaufte, wie schon erwähnt, der Wirt, der es 1894 abbrechen ließ bis auf ein kleines Remisegebäude, das heute noch steht. Große Teile des Grundbesitzes vom Xanderhof kamen 1852 wohl auch an den Kramer, 1809  noch 1/16 Kleinanwesen. 1887 erkaufte Simon Bacher vom Kramer das gegenüberliegende Webergütl (Nr. 35) , das er abbrechen und an seiner Stelle den Pferdestall mit Ökoomiegebäude erbauen ließ. 

Bei den kleinen Anwesen lässt sich gleichfalls in vielen Fällen eine Besitzkontinuität über die männliche und weibliche Linie feststellen. Die Gütler, wie sie nun benannt wurden, waren jedoch  wie schon vorher, so auch nach der Grundentlastung  mobiler und wechselten öfter das Anwesen, wenn eine Verbesserung der Situation zu erwarten war.  Die Verbesserung des Landbaus (Stallfütterung, Kunstdünger) kam auch den Kleinanwesen zu gute. Auch den Handwerkern kam anfänglich die Industrialisierung zugute, wenn man von einigen Berufen wie z.B. den Webern absieht.

Das alte Dorf im Wandel durch Industrialisierung, Technik und Modernisierung seit dem 19. Jahrhundert

Land und Dorf erleben seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts einen Umbruch, wie ihn die Geschichte des Bauernstandes bisher noch nie gekannt hat. Derr Dienstbotenstand ist gänzlich  verschwunden. Aufgegeben wurden dann auch fast alle landwirtschaftlichen Kleinanwesen und Handwerke. Die verbliebenen Höfe sind zu Farmen mit modernster Agrartechnik geworden. Das alte Dorf mit seinen Vorzügen und Nachteilen ist zu einer Welt geworden, die wir verloren haben, die uns fremd geworden ist.

Diese Feststellung mag vielleicht für junge Menschen, die heute auf dem Lande leben, übertrieben erscheinen. Für sie ist die Volltechnisierung der Landwirtschaft mit all ihren Auswirkungen auf das bäuerliche und dörfliche Leben schon zu einer Selbstverständlichkeit geworden; die Jugend kann es sich gar nicht mehr vorstellen, daß es einmal anders gewesen sein könnte. Nur der alte Bauer mit 70 oder noch mehr Lebensjahren auf dem Rücken findet in seinem verdienten Austragsstüberl (oder Wohnhaus) hie und da Zeit, den Enkeln zu erzählen, wie es früher einmal auf dem Bauernhof und im Dorf ausgesehen hat . . .

Das Leben auf dem Dorf in früheren Zeiten und der durch die Volltechnisierung und In-dustrialisierung   bewirkte   Umbruch   im Grundgefüge des Dorfes ist schon seit gerau-mer Zeit auch Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen von Soziologen und Histo-rikern. Den Gesellschaftswissenschaftler interessiert vor allem die Umformung des dörf-lichen Gemeinschaftslebens und die Veränderungen in der geistigen und seelischen Hal-tung der Dorfbewohner. Er beobachtet, wie sich aus dem alten bäuerlichen-handwerkli-chen Dorf im Zuge der Industrialisierung einsogenanntes „Arbeiter-Bauerndorf" entwik-kelt, in dem die landwirtschaftlichen Kleinanwesen immer mehr abnehmen, dafür aber eine Neuansiedlung von Arbeitern in Einfamilienhäusern stattfindet, die als sogenannte „Pendler" in den nahegelegenen Städten oder in Industrieunternehmen Arbeit finden, die in den Dörfern selbst neu gebaut wurden.

Man kann hier feststellen, wie das ursprünglich rein bäuerlich geprägte Dorfmilieu lang-sam in Formen übergeht, die uns in vorstädtischen Stadtrandsiedlungen begegnen. In in-dustriell noch wenig erschlossenen und verkehrsungünstig gelegenen Räumen wandelt sich das alte Dorf, das durch seine Verbindung von bäuerlichen und handwerklichen Betrieben gekennzeichnet war, zu einem reichen Bauerndorf um. Hier werden aus Grün-den der Unrentabilität und des Lebensstandards die landwirtschaftlichen Kleinanwesen und die kleinen Handwerksbetriebe von ihren Besitzern aufgegeben. Wie die statistischen Erhebungen zeigen, schilderte Umstrukturierung im ländlichenBereich im vollen Gange.

Sie ist allerdings in den einzelnen Räumen verschieden weit fortgeschritten. Von 1980 bis 1990 wurden insgesamt 44000 Höfe in Bayern aufgegeben; 1989 waren es allein 9000. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe ab 2 ja LNF verringerte sich 2003 gegenüber 2001 um 9814 bzw. um 7,0% . Von 1949 bis 2003 nahm die Zahl der landwirtschaftlichen Anwesen ab 2 LF von  390 995 auf  130 611, also um 260 348 ab![38] Diese landesweiten Zahlen spiegeln sich auch auf örtlicher Ebene wieder, wie die Eglinger Verhältnisse zeigen.

Ist die wissenschaftliche Untersuchung der ländlichen Umstrukturierung Aufgabe derSoziologen und Statistiker, so haben sich die Historiker bisher in erster Linie mit der Ent-stehung von Dorf und Dorfgemeinde befaßt. Im 19. Jahrhundert glaubte die Rechtsge-schichte ein für alle Mal bewiesen zu haben, daß am Anfang des ländlichen Gemein-schaftslebens die freie germanische Markgenossenschaft stand, deren Mitglieder in einer Art „Agrarkommunismus" die unverteilten Feld-, Wiesen- und Waldgründe nutzten. Eine Auffassung, die große Auswirkungen auf das wissenschaftliche Lehrgebäude des Marxismus hatte und hier auch noch vertreten wird, die aber durch die moderne Geschichtsforschung als überwunden gilt. Die Geschichtswissenschaftler, die sich mit der ländlichen Kommunalgeschichte beschäftigen, glauben heute zu wissen, daß die Dorf-bildung durch das Zusammenwachsen von ursprünglichen Einzelhöfen beziehungsweise Höfegruppen  unter  grundherrschaftlicher Obrigkeit erfolgte, wobei natürlich der bäuerlichen Genossenschaft eine entscheidende Initiative zukam. Wo mehrere Familien und Nachbarn mit- und nebeneinander ihre Wohnstätten hatten, ergaben sich gemeinsame Aufgaben, die gemeinsam, gemeinschaftlich gelöst werden mußten. So wurden die ersten Grenzen gezogen, die ersten Wegeangelegt; die Siedlungen bedurften des gegenseitigen Austausches lebensnotwendigerGüter, des Saatgutes, der Handwerksgeräte und ihrer Verfertiger. Im Verlaufe der Zeit entstand die Notwendigkeit, über den Anbau, die Flurordnung Vereinbarungen zu treffen und hierfür Satzungen zu schaffen. Inder Auseinandersetzung mit dem Dorf- und Grundherrn, der von Anfang an da war, entstand dann langsam aus der Dorfgenossenschaft die Dorfgemeinde, die im bayerischen Räume vor allem bäuerliche Wirtschaftsgemeinde war.

Wie sich im einzelnen dann unsere Dörfer von der Zeit der Besiedlung (6.-8. Jahrhundert) bis in die Zeit unserer Großväter, also bis zum 19. Jahrhundert entwickelt haben, darüber berichtet eine Vielzahl von historischen Quellen, die leider für den altbayerischen Raum noch viel zu wenig ausgeschöpft und ausgewertet sind. Obgleich die Grundbedingungen bäuerlichen Lebens und Wirtschaftens bis zur Umwälzung, die die Technisierung der Landwirtschaft und die Industrialisierung des Landes mit sich brachte, im wesentlichen die gleichen geblieben sind, so gab es in der Geschichte der Landwirtschaftdoch auch Zeiten, in denen es Fortschritte

und Neuerungen gab. So spricht man sogar neuerdings von einer kleinen „Revolution" in (/)der Landwirtschaft, die sich seit dem elften und vor allem im zwölften Jahrhundert in unseren Dörfern ereignet hat. Während man bis dahin nur mit einem Hakenpflug den Boden bearbeitet hatte, kam nun als technische Verbesserung der Räderpflug mit dem Streichbrett in Gebrauch, der die Erde tiefer umgräbt, sie besser lockert und so der Saat einen besseren Stoffwechsel und Schutz und damit einen höheren Ertrag ermöglicht. Man erfand Vorrichtungen, durch die die tierische Zugkraft wirksamer als bisher eingesetzt werden könnte.

Als entscheidender Fortschritt kommt seit dem elften Jahrhundert die zunehmende Ver-wendung von Eisen bei der Herstellung des Werkzeuges hinzu, ebenso die Einführung der Dreifelderwirtschaft, die bei uns bis in die Zeit des zweiten Weltkrieges hinein Be-stand hatte. Die Dreifelderwirtschaft bedeutete bei ihrer Einführung einen wesentlichenFortschritt in der Verbesserung des Bodenertrags. Bedingte die vorher geübte Zweifelder-wirtschaft  einen  Produktionsverlust  von rund 50 Prozent, da wegen des Fehlens von Dünger die Hälfte des Bodens als Brache liegen gelassen werden mußte, so stieg jetzt der Erntezuwachs um ein Sechstel an, da nur mehr ein Drittel der Ackerfläche brach lag. Alle diese technischen Neuerungen - über die wir heute angesichts unserer supermoder-nen Motorpflüge und Mähdrescher vielleicht lächeln mögen - bedingten damals eine grö-ßere Produktion, was die Ernährung einer im Wachstum begriffenen Bevölkerung - im Zusammenhang mit der Ausweitung der Anbauflächen - ermöglichte. Was durch die Motorentechnik des 20. Jahrhunderts und die neuzeitliche agrarwissenschaftliche For-schung als „altes Eisen" außer Gebrauch gesetzt wurde, das war einmal ein großer Fort-

schritt!

Wie das Leben auf dem alten bayerischen Dorfe sich abspielte, zeigen uns Quellen, die vor allem die volkskundliche Wissenschaft ausfindig macht und auswertet. Es sind ins-besondere die Weistümer und Dorfordnungen aus dem 15. und 16. Jahrhundert, in denen ländliches Leben der Zeit überliefert ist. Ausführliche Beschreibung eines Dorfes besitzen wir jedoch selten. Umso dankbarer sind wir einem geistvollen und sehr aufge-klärten Pfarrherrn aus Entraching, der für das Ende des 18. Jahrhunderts uns eine über-aus anschauliche Schilderung seines Pfarrdorfes geliefert hat. Er hat sicher manches als fortschrittlicher Geist zu scharf beurteilt und vielleicht auch verurteilt, doch in vielem bie-tet er uns eine unersetzbare, lebensnahe Anschauung vom Leben eines lechrainischen Dorfes um 1800, das in vielem auch für Wabern gilt. Lassen wir ihn erzählen:

"Die alten Häuser haben in- und auswendigein schlechtes Aussehen; sie sind ganz von-Holz gebaut; der Stubenstock ist außenher mit Leimen (Lehm) angeworfen, und mit Kalk überweißt. Die wenigen neuen Häuser sind von Stein gebaut und mit einem Kaminversehen. Die Dächer sind mit groben Schindeln, die gegen große Windstöße mit großen Stein beschwert werden bedeckt, wie es in der ganzen Gegend der Brauch ist. (Im Unterland Strohdächer!) Die Einwohner zeigen sich nicht als große Liebhaber der Arbeit. Besonders haben sie einen unüberwindlichen Haß gegen neue Versuche:

 „Wir schwitzen und plagen uns, sagen sie, schon bei unserngewöhnlichen Arbeiten genug".

 Ein Bauer, dem es zum Bierkrug zu gehen entweder an Lust, oder am Gelde fehlt, liegt, die Kirchen und Mittagsstunde abgerechnet, ganze 3, 4 und wohl auch 5 Feiertage hinter einander unverrückt auf seiner Ofenbank, ohne über Langeweile zu klagen. Diese nennt er seine guten Tage. Der Bauer zu Entraching hat keine andere Erwerbs- und Nahrungsquelle als seinen naßkalten Acker und seine mageren Wiesen. Aus dem Produkt dieser Gründe muß er sich, seine Familie und sein Vieh ernähren, muß sich die nöthigen Haus- und Ackergeräthe beschaffen, muß seine Behausung in baulichem Stand erhalten, muß seine Dienstboten und Tagelöhner bezahlen und verkosten, muß Steuern und Abgaben enrichten, muß der Grundherrschaft seine jähr-liche Stift reichen, muß dem Pfarrer den Zehent lassen, muß die Hirten und Handwerks-leute bezahlen, den Müller und Mühlknecht,den Schergen, die Collectaneen und Bettelleuten etc. befriedigen. . . Der hiesige Bauerhat ein unglückliches Mißtrauen gegen seine Obrigkeiten. Er sieht sie alle für seine Peiniger an, die es sich zum Geschäfte machen, ihm das Leben recht zu verbittern . . ."

Über  Egling sind bis jetzt, wie schon ausgeführt,  keine derartigen Beschreibungen aus alter Zeit zutagegekommen.

Die Technik kommt

Den Einzug vonr Industrialisierung und Technik in Landwirtschaft und Dorf, der seit dem 19. Jahrhundert zunächst schleichend in kleinen Rinnsalen, dann aber seit der 2.Hälfte des 20. Jahrhunderts einer Springflut gleich sich über das Land ergoß, kann man am besten dadurch veranschaulichen, wenn man sich  das Auftreten der einzelnen Neuerungen chronologisch vergegenwärtigt. Für die Landwirtschaft hat die Mechanisierung und Technisierung  Luitpold Klotz vorbildhaft vorbildhaft für seinen Heimathof in Hattenhofen aufgezeigt.Für Egling ist die folgende Aufstellung, gewonnen aus der Chronik von 1954, noch zu ergänzen: 

 

1810   Ausbau der Distriktstraße Landsberg nach Mering

1873 Gründung des Veteranen- und Soldatenvereins

1874 Schulhausbau

1875 Freiwillige Feurerwehr

1893  Postagentur

1898   Eröffnung der Bahn Augsburg-Mering Weilheim

1802   Erste Telefonleitung

1908 Einrichtung des elektrischen Licht

1908  Gründung des Gesangvereins „Gemütlichkeit"

1911 Wasserleitung

1911 Darlehenskassenverein

1913 Gendarmeriestation

1920 Schützenverein Edelweiß

1925  Katholischer Burschenverein

1952   Erste Straßenteerung

1953  Erste Straßenbeleuchtung

1955 Flurbereinigung

[ Zur Ergänzung seien hier Angaben vom benachbarten   Wabern   angeführt:                                                                                                                                                                                             

Landwirtschaft

M.19. Jh.           Erster Kunstdünger                                                                                            

 E. 19. Jh.          Erste Mähmaschine                                       

 E. 19. Jh.          Erster Göpel  (Huber)

 Anf. 20. Jh.      Erste Sämaschine

1914/15             Turbine und Lichtmaschine beim Müller

1919                  Anchluß an das E-Netz: Elektormotoren

1920                   Erste Dreschmaschine( Knollerbauer)

1928                   Paarkanalisation

1929                   Erster Ableger ( Huber)

ca.1943              Erster Dieselmotor mit 15 PS- Huber (Wirt)

1943                    Erste Melkmaschine(Grundler)

1945                    Erster Bindermäher( Huber)

ca. 1948              Erster gummibereifter Wagen ( Knollerbauer)

1950                   Erster Traktor  Kramer (Huber, Knollerbauer (Lanz)

1954                  Erster Mähdrescher - Huber

ca. 1956              Flurbereinigung

          

 Im Dorf und Haushalt

Ende 19.Jh.        Wasseranschluß mit Widder                                 .

1898                  Bahnstation, geschlossen ca. 1958

1915                   Erstes Telefon - Huber  (Wirt)

1919                    Elekrizität:  el. Licht, Geräte

ca. 1925               Erstes Motorrad(Sachs) Huber uber  H8uHu

 ca. 1925               Erste Feuerwehrspritze

ca. 1936              Erster Radio(Grundler)

ca. 1951              Erstes Auto (Opel) Huber

Ca.1955                Bau der Hauptstraße (Asphaltierung)

ca. 1956                Erster Fernseher (Zöllner und Stenke) ]

 

                                                                                                                   

 

 

 

 

 


Anmerkungen (II)

[1] Siehe P.Fried, S. Hiereth, Historischer Atlas von Landsberg-Schongau S. 23 ff. bs. S. 27 ff.. Über die Welfen siehe P.Fried, Herzog Welf VI. Vortrag, anlässlich des 800. Todestages l991  gehalten beim Historischen Verein Landsberg (Gedr. im Jahrbuch f.fränkische Landesforschung Bd. 52 Jgg. 1992 S. 105 ff.

[2] Über die Staufer siehe den Ausstellungskatalog der Stuttgarter Staufer-Ausstellung 1977.

[3] Frhr.Edmund Oefele, Geschichte der Grafen von Andechs, Innsbruck 1877; P. Fried, Die Geschichte der Grafen von Dießen-Andechs, München 1988, S. 3 - 15, dort weitere Literatur

[4] P. Fried, Siedlungs- und Herrschaftsgeschichte [von Dießen], in: Heimatbuch Stadt- und Landkreis Landsberg a. Lech von Bernhard Müller-Hal. Landsberg 1.Aufl 1866, S. 416-421

[5] Schlögl, Traditionen Dießen Nr. 10

[6] Müntefering, Traditionen Ulrich und Afra zu Augsburg Nr. 15

[7] Höppl, Traditionen Wessobrunn Nr. 11. Dort sind ausführliche Angaben über die Eglinger Ministerialen gemacht.

[8] Die Burgen im deutschen Sprachraum. Ihre rechts- und verfassungsgeschichtliche Bedeutung . Hrsgg. v. Hans Patze (Vorträge und Forschungen  Bd. XIX) Sigmaringen 1976; dort S. 331 - 352: P.Fried, Hochadelige und landesherrlich-wittelsbachische Burgenpolitik im hoch- und spätmittelalterlichen Bayern.

[9] P.Fried, Die Geschichte der Gafen von Dießen- Andechs, München 1988, S.,- 3-16

[10]  P. Fried, Hochadelige und landesherrlich-wittelsbachische Burgenpolitik  im hoch- und spätmittelalterlichen Bayern.(Die Burgen im deutschen Sprachraum II. Vorträge und Forschungen, hrsgg. vom Konstanzer Arbeitskreis für mittelalterliche Geschichte Bd. XIX). Sigmaringen,  1976, S. 331 - 352.

[11] „due hube dicte in dem Prunne"; Brunnen bedeutet im Mittealter soviel wie Quelle, s. Matthias Lexer, Mittelhochdeutsches Taschenwörterbuch, Stuttbart 1989, S. 30;   Wo eine solche in Egling lag, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. In Wabern heißt heute noch die kleine Paarquelle „Brünnala".

[12] Lori , Geschichte des Lechrains, Urkunden S. 24

[13] MB 36b, 517 ff.

[14] 1336 richtet der Landrichter von Landsberg „uf der Lantschrann ze Eglingen" über die Zugehörigkeit von Leibeigenen (Chr. S. 42, 40=  Kloster Ulrich und Afra Urk. Nr. 178a ; 194 (1340)

[15] Chronik  S. 40; Fried/Hiereth, Historisches Atlas Landsberg/Schongau  S. 38 ff.

[16] Friedrich Lütge, Geschichte der Grundherrschaft in Bayern, 1949; P. Fried, Die Grundherrschaft im späten Mittelalter. Hrsgg.v. Hans Patze (Vorträge und Forschungen Bd. XXVII) Sigmaringen 1983: darin P.Fried, Grundherrschaft und Dorfgericht im spätmittelalterlichen Bayerrn S. 277 - 314.

[17] A. Sandberger, Entwicklungsstufen der Leibeigenschaft in Altbayern seit dem 15. Jahrhundert (Zeitschr.f.bayer. Landesgeschichte Bd. 25) 1962

[18]  Chronik S. 37

[19] Chronik  S. 40 

[20] Müntefering, Traditionen Ulrich und Afra  N r. 15

[21]  Historischer Atlas von Bayern, Teil Schwaben, Bd. 2, 1982 S. 402 ff.

[22]  Chronik S. 35 ff. ; Steichele, Bistum Augsburg Bd. 2 S. 453 ff-

[23]  Schlögl, Traditionen Dießen Nr. 32; Müntefering, Trad. Ulrich und Afra Nr. 68; Höppl, Trad. Wessobrunn Nr. 11, 68; ausführlich: Wilhelm Liebhart, St. Ulrich und Afra zu Augsburg (Historischer Atlas von Bayern, Teil Schwaben, Reihe II. Bd. 2) München 1982 S. 4o2 ff.

[24]  Steichele,  Bd. 2 S. 455

[25] Chronik S. 117

[26] Fried/Hiereth, Hist. Atlas Landsberg-Schongau S. 336; K Fürstenfeldbruck (1992) S. 639

[27]  Bayer. Hauptstaatsarchiv München, Kurbayern Urk. 35041.                  

[28]  Fried/Hiereth, Hist. Atlas Landsberg-Schongau S. 125

[29]  Helmut  Rischert, Burgställe im Landkreis Aichach-Friedberg 1975 (Ms. Naturforschende Gesellschaft Augsburg. Heimatkundliche Beiträge aus dem Augsburger Raum , Turmhügelburg Althegenberg S. 12 ff. ); Der Turmhügel in Althegnenberg (Heimatbuch Fürstenfeldbruck) 1992,  S. 91; Franz Knittel, Alt-Merching, Mering l987  

[30] Sedlhof bezeichnete den herrschaftlichen Eigenhof, der von Land- und Vogtsteuern befreit war.

[31] Hipper, Ulrich und Afra Nr. 196

[32] P.Fried, Zur Geschichte der bayerischen Landgemeinde (Die Anfänge der Landgemeinde und ihr Wesen I. Vorträge und Forschungen. Hrsgg. v. Konstanzer Arbeitskreis für mittelalterliche Geschichte Bd. VII) Konstanz-St uttgart  1964, S. 79 - 106

[33] Fried-Hiereth, Historischer Atlas Landsberg-Schongau S. 276 ff.

[34] Staatsarchiv München  Kataster 10.515

[35] Chronik S. 19

[36] Zur deutschen Sitten- [Brauchtums-] und Sagenkunde. 2.Teil: Das Bauernjahr in seinen Festen und Gebräuchen, Loostagen und Lebensweisheiten.

[37]  Leoprechting S. 218 f.

[38] Bayerischer Agrarbericht 2003 S. 25

_________________

 

                                                                       Anhang

 

                                                         Eglinger Beziehungen

                          Meine Eglinger Großmutter Johanna Brandmaier (1872 - 1956)

 

 

 

 

Die Beziehungen zu Egling standen lange nicht im Vordergrund meines Bewusstseins. Wabern gehörte zur Gemeinde und Pfarrei Walleshausen sowie  zum dortigen Schulsprengel.  Verstärkt wurde das Walleshauser Bewusstseins noch durch die Tatsache,  daß  meine Mutter eine Walleshauserin war, die von der dortigen Unteren Mühle stammte. Dies  bestimmte auch  ganz wesentlich die frühen sozialen Kontakte. Doch konnte dies nicht verdrängen, daß meine Großmutter väterlicherseits ist eine  Eglingerin gewesen ist. Sie war beim Oberen Gessl (Hs.Nr.79) in Oberegling zu Hause, das Haus wurde erst vor einigen Jahren abgerissen. Sie wurde dort am 9. Juli 1872 geboren. Ihr Vater Kaspar Brandmair hatte das kleine Anwesen 1868 durch Heirat der Hoferbin Rosina Karl übernommen. Diese starb jedoch bereits 1877, und Kaspar heiratete noch  im gleichen Jahr die Magdalena Huber von Steinbach. Sie brachte einen ledigen Buben namens Ludwig (Huber)  mit in die Ehe, der 1891 das Anwesen übernahm und  den ich später als den „Gesselvetter" kennengelernt habe. Das Gesselgrab, wo meine Urgroßeltern ruhen,  ist im Eglinger Friedhof noch vorhanden. Kaspar Brandmair stammt, wie es im Eglinger Familienbeschrieb heißt,  von Ramsach. Geboren ist er jedoch am 2. Januar 1834 in Prittriching. Wie aus der Höfegeschichte von Prittriching hervorgeht, erwarben  dort seine Eltern Xaver Brandmair von Moorenweis und seine Frau Theres, gleichfalls von Moorenweis, 1831 den Scheibbauernhof  (1/4 - Anwesen, Hs. Nr. 107, Hauptsr.39), zogen jedoch bereits 1835 wieder weg nach Ramsach[1].

Johanna kam  wie die meisten übrigen Kinder damals mit 12 Jahren, als sie aus der Schule kamen, zum Dienst als Magd an einen Bauernhof in Egling. Ich glaube mich zu erinnern, daß sie auch beim Frietinger im Dienst war.[2] Bis zur Verheiratung waren sie so 10 lange  Jahre im Dienst als Kindermädchen, Unter- und Oberdirn usw.. Sie wusste aus dieser Zeit eine Reihe von Geschichten zu erzählen, wie zum Beispiel, daß man in Egling für einen Verstorbenen je nach Stand die große oder kleine Totenglocke läutete. Einmal habe ein Bauer soviel Geld gehabt, daß er es immer wieder zählte, und als er einmal mit dem Zählen nicht mehr zu Ende kam,  warf er es vom Fenster herunter. Aber kein einziger Dienstbote traute sich etwas aufzuheben. Und dann erzählte sie noch die Geschichte von den wohlmeinenden Eglinger Bäuerinnen, die dem Pfarrer immer große Butterknollen zukommen ließen. Einmal kamen so viele zusammen, sodaß die Haushälterin einige Knollen an ärmere Leute weitergab: Wie staunte nicht eine dieser armen Frauen, als aus dem Butterknollen beim Auslassen ein Goldstück hervorkam - soziale Verteilung früher!  Am Sonntag Nachmittag ging sie dann zu ihrem Bruder nach Hause, wie es auch später ihre Kinder gemacht haben. In Egling hatte sie  1892 ihre erste große Liebe, es war ein Knecht  von Winkel, wie sie meinen Schwestern später erzählte. Ihr  Stiefbruder Ludwig - ihre Eltern waren 1886 bzw. 1891 verstorben - soll sie  aber nicht heiraten haben lassen,  weil  der Knecht  keinen oder einen zu geringen Besitz hatte.

 

 Am 16. Oktober 1894 heiratete Johanna Brandmair dann meinen Großvater Augustin Fried, zum Maxlbauer in Wabern (Nr.3). Sie gebar, was man sich heute nicht mehr vorstellen kann,  15 Kinder, wovon nur 8 überlebten. Einige starben bereits im Säuglingsalter, aber Simon und Barbara waren schon im Jugendalter, als sie die Diphterie dahinriß. Wie hat sie ein Leben lang um sie getrauert: Zeitlebens bewahrt sie in einem Schächtelchen eine blonde Locke ihres Töchterchens Barbara auf.

 

Meine  Großmutter gehört zu meinen frühesten Jugenderinnerungen. Sie war eine herzensgute, gütige Frau, die, wie ich erst später mitbekam, viel im Leben durchgemacht hatte. Sie kümmerte  sich besonders um uns Kinder, wenn die Eltern beim Arbeiten auf dem Feld waren. Von ihr habe ich mein unverfälschtes Waberner Lechrainisch gelernt: Wie wachte sie doch darüber, daß wir keine schwäbische Wörter, die von unserer schwäbisch-stämmigen Mutter stammten, gebrauchten! Und was konnte sie alles erzählen von ihrer Schulzeit und Jugend in Egling! Zahlreiche Gedichte konnte sie ausendig aufsagen. Sie war sehr stolz auf die Brandmair, die sehr gescheit gewesen seien. Und immer wieder erzählte sie von ihrem Vetter bzw. Onkel, dem Gendarmerie-Kommissär von Altomünster Benedikt Brandmaier, den der Kneißl am 30.11.1900 in Irchenbrunn erschossen hat[3]. Deswegen hatte sie für Wilderer wie den Bayerischen Hiasl nichts übrig. In Altomünster steht heute noch der Gedenkstein für die beiden von Kneißl erschossenen Gendarmen.

 

 Mein Vater, der nebenbei auch  Maurer war, hatte ihr und meinem Großvater 1930  das heute noch stehende Austragshäuschen nach der Hofübergabe gebaut. Ich war darin oft bei ihr, ich kann mir heute noch an die Zimmer mit ihrer einfachen Einrichtung und den bunten Vorhängen erinnern. Vor allem der Glaskasten mit den wunderschönen Glasfiguren und den Fotoalben, in denen ich immer wieder blättern durfte, machten tiefen Eindruck auf mich. Ich erinnere mich noch an ein Dienstbuch ihres ältesten Sohns Max, der 1916 vor Verdun gefallen war. Ein Leben lang hat sie um ihn getrauert. Wie hätte sie sich gefreut, wenn sie ein Foto von seinem Grabe noch hätte sehen können, das ihre Urenkelin Martina 2004 nach Hause brachte! Und wie lobte sie mich jedes Mal, wenn ich wieder ein „schönes" Bild gemalt habe! In Erinnerung geblieben ist mir auch ihre Frömmigkeit: Jeden Tag im Oktober mussten wir mit ihr am Abend den Rosenkranz beten. Jedes Jahr ging sie nach Schmiechen zum Kappelfest. Und aus der „Goffine" las sie uns Heiligenleben vor, ich besitze noch einige Gebetbücher von ihr, eines davon betitelt: „Täglicher Gang durch das Fegfeuer" (1884). Wir bewunderten auch ihre „Boter" (Paternoster  = Rosenkränze).

 

Drei Jahre vor ihrem Tod hat sie  der Schlag getroffen und sie war rechtsseitig gelähmt. Als ich zum Studieren fortkam, winkte sie mir immer aus ihrem Häuschen nach - an einem Novembertag 1954, als ich zur Universität nach München fuhr, war es dann wohl zum letzten Mal. Sie ist am 26. November 1953 im Alter von 81 Jahren verstorben.

 

 Von meiner Großmutter erfuhr ich zum ersten Male, daß eine Frau  Maria Fried vom Maxlbauer schon früher einmal  nach Egling geheiratet hat. Sie soll sehr schön gewesen sein. Später recherchierte ich diese Nachricht. Als erstes fand ich auf einem Eglinger Grabstein folgende Inschrift: „Hier ruht in Gott der ehrengeachtete Herr Benedikt Bartl, Oekonom und Musiker. Gest. 9. Juli 1918 im 58. Lebensjahr, und dessen erste Gattin Friederika[4], unsere liebe Mutter Maria Fried, geb 8.12.1860, gest. 22.4. 1948".  Wie aus der Walleshauser Matrikel und dann aus dem Eglinger Familienbeschrieb zu ersehen ist, war Maria  Fried  von Hs.-Nr. 3 in Wabern gebürtig und die Schwester meines Großvaters Augustin, also die Tante meines Vaters Pankraz. Lt. Eglinger Familienbeschrieb  besaß Benedikt Bartl seit 1886 das Lettenbartl -Anwesen (Nr. 42).Er heiratete am 21. Feb. 1888 Maria Fried von Wabern. Als deren Tochter Therese 1909 mit ihrem Mann Johann Baur, der vom Hausenbauer stammte,  das Anwesen übernahm, zogen sie auf das Appele-Anwesen in Egling Hs.Nr. 24. In Jahre 1920 übernahm dieses ihr Sohn Benedikt,  der mit Sophie Voglsang von Hs. Nr. 26 verheiratet  war. 1931 zogen sie in die Fliegerhorst-Siedlung nach Landsberg und verkauften 1940 das Anwesen an Johann Bader von Petzenhofen. Da vom Lettabartl-Anwesen drei Geschwister Baur im zweiten Weltkrieg fielen, übernahm dort  Dorothea Baur das Anesen und heiratete 1948 Johann Braunmüller von Walleshausen (Lenz). Die „Bartl-Dori" habe ich noch mehrmals besucht und sie hat mir dabei viel von ihren im Zweiten Welfkrieg gefallenen Brüdern erzählt,  natürlich auch etwas von der Fried-Verwandtschaft. Und von mir: dass mein Vater sich schon einen Primizpflatz für mich ausgesucht hatte. Desweiteren erfuhr ich, daß meine Großtante am Schluß ihres Lebens fast erblindet war. Als ich eines Tages den Friedhof in Egling wieder besuchte, war ihr Grabstein verschwunden. Gottseidank hatte ich früher von ihm ein Foto gemacht.

 

Hier ist vielleicht auch der Ort, über einige weitere Verbindungen zu Egling in meiner Kinderzeit  zu sagen. Obwohl ich als Waberer  kirchlich und schulisch nach Walleshausen orientiert war und dort mütterlicherseits meine Verwandten hatte, gab es  doch auch manche Beziehungen zu Egling.. Zu meinen frühesten Kindheitserinnerungen gehört, daß ich bei den Geschwistern von der  Oberen Mühle in Egling, die in Wabern eine große Wiese hatten, im Heumahd auf den Pferden „fischifahren" durfte. Auch brachten wir unser Getreide in die Obere Mühle zum Mahlen, ebenso kauften wir beim Eglinger Metzgar ein und gingen dann nebean gleich zum Friseur. Die Dempfla-Nehn (Näherin) kam oft auf die Stör. Der Laden der „Isaakerzenzl" ist mir unvergesslich wie die Besuche in der Steberwirtschaft, wo ich mit dem Wirtssohn Heinirich   (jetzt schon verstorben)

                                                        [Grabstein der Maria Bartl, geb. Fried ]

zu Weihnachten mit seinen vielen Spielzeugen, darunter eine große Burg, spielen durfte. In Erinnerung ist mir natürlich auch das unmittelbar benachtbarte Hattenhofen, wo der „Kreischter"-Vogel  nachts unheimliche Schreie ausstieß - sie sollen von umher irrenden armen Seelen gekommen sein - und den aberner Mädchen Angst machte[5]. Ich denke an die vielen Besuche beim alten Grundlerbauer in Wabern, mehr ein feinsinnig- naturverbundener Mensch als Ökonom, dessen herzensgute Frau vom Klosbauer in Hattenhofen stammte. Nach Hattenhofenn zum Klotzenbauer verheiratete sich  auch die seelengute Fanny von den Nudlbauerngeschwistern, die es uns kleinen Kindern immer gut meinten.Der Schneider Hans Bals (vom Baumeister in Egling) hatte nach Wabern zum Schneider eingeheiratet und damit den Hausnahmen wieder zur Ehre gebracht. Er hat noch meinen Hochzeitsanzug genäht. Und nicht zuletzt ist die langjährige Beziehung zur Eglinger Baufirma Geier zu erwähnen. In den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde dort mein Vater als Hilfsarbeiter auf dem Bau eingestellt. Auch als er 1930 das elterliche Anwesen übernehmen konnte, war er auf den Zuerwerb als Maurer angewiesen, konnte er doch damit Unglück im Stall ausgleichen und mehrere Tagwerk Ackergrund zukaufen. In lebhafter  Erinnerung geblieben ist mir Franz Geier sen., der öfters zu uns kam und sich dabei auch um das private Wohlergehen seines Maurers kümmerte. Später arbeiteten in der Firma meine beiden leider schon verstorbenen Brüder Hans und Max, deren Eglinger  Berufskollegen Bartl Beni, Frei und Englschall ich noch im Gedächtnis

 

Es war eine Fügung des Schicksals, daß es uns 1974  von Mü nchen - wo wir seit der Heirat 1958 lebten - nach Heinrichshofen und damit auch in die Pfarrei Egling „verschlug":. Ich hatte nämlich eine Professur an der Universität Augsburg erhalten. Wir wollten eigentlich  zunächst nur übergangsweite im Geburtshaus meiner Frau wohnen,  bis wir in Augsburg eine entsprechende Behausung gefunden hätten. Doch der Gedanke, die Tradition des Bals -  Anwesens weiterzuführen, ließ uns in Heinrichshofen verwurzeln. Mit der Auflösung der Gemeinde Heinrichshofen kamen wir zur Gemeinde Egling.  Dort sind unsere Kinder, die beim Zuzug 14, 11 und  9 Jahren herangewachsen. Eine Tochter hat sich hier verheiratet, sodaß die Tradition weitergeht.

 

Hier ist vielleicht der Ort, einige Auszuüge aus meinem Vortrag zur Selbständigwerdung der Gemeinde Egling im Jahre 2000 zu bringen, weil er von meinen Eglinger Beziehungen ausgeht:

 

„Die Lebensgeschichte meiner Eglinger Großmutter führt uns direkt in die Bevölkerungsgeschichte Eglings, weil sie typisch für die Lebensläufe der viele der damaligen  580 Eglinger ist, sei es, daß sie sich im Dorf selbst heirateten oder sich nach auswärts verheirateten oder von auswärts nach Egling hereinheirateten, es waren meist die umliegenden Nachbarsorte. Manche blieben auch unverheiratet und dienten als Ehehalten lebenslang bei den etwa größeren Bauern. Aber auch deren Kinder mußten als Ehehalten auf dem Hof leben, falls ihnen die Einheirat in einen anderen Bauernhof nicht möglich war. Die Bauern waren zudem erst zwei Jahrzehnte vor der Geburt meiner Großmutter, l848, also heuer [2000] vor 150 Jahren im Zuge der 48- Revolution von Grundholden(Pächtern)  zu Grundeigentümern geworden.

Und von l848 aus kann man Jahrhunderte zurückgehen, ohne daß sich im Leben des einzelnen Dorfbewohner allzu viel Grundlegendes verändert hätte, ja man kann  im Grunde fast bis in jene Epoche zurückschreiten, in der die "Egelinge", also die Leute eines germanischen Alemannen namens Egilo sich im 5. und 6. Jahrhundert n. Christus auf Gehöftegruppen am östlichen Paarabhang entlang der alten Römerstraße angesiedelt haben. Den Germanen - ob Alemannen oder Bajuwaren - eignete ein adelig - ständisches Denken; nur der wehrhafte Freie, Besitzende und Krieger hatte Ansehen und Vollrechte; die niederen Haus- und Feldarbeiten mußten Leibeigene verrichten, die meist als Kriegsgefangene erworben worden waren. Leibeigene wurden zwar nicht mehr wie Sklaven der Antike gehalten, die als Sachen galten, doch konnte man sie auch wie diese verkaufen oder vertauschen.  Da war es ein Glück für sie, daß seit dem 7. und vor allem dann im 8. Jahrhundert sich das Christentum durchsetzte und die herrischen Sozialbeziehungen der Germanen langsam mit Menschlichkeit und Nächstenliebe durchdrang. Die Christianisierung darf als eine der größen „Kulturrevolutionen" in unserem Lande angesehen werden, wenngleich sich vieles vom germanischen Denken zunächst noch hielt. Das war vor allem im kirchlichen Bereich der Fall: Der adelige Grundherr ließ die Kirche auf seinen Boden errichten und stellte einen Geistlichen an, den er ernährte. Die adelige Eigenkirchenherrschaft mußte im Zeitalter des Investiturstreits im 11. Jahrhundert zu Konflikten mit den Bischöfen führen; diese beanspruchten nun nach dem voll entwickelten römisch-kanonischen Recht die Investitur, d.h. die Einsetzung des Geistlichen in den Pfarreien, die erst damals im l2. Jahrhundert endgültig organisiert wurden. Man fand schließlich einen Kompromiß: Das Eigenkirchenrecht des Adels wurde in ein Präsentationsrecht, Vorschlagsrecht für den einzusetzenden Pfarrer umgewandelt, und das Kirchengut wurde zum jeweiligen Eigentum des Kirchenpatrons erklärt. Und aus dem Zehnt und sonstigen Reichnissen, die nach wie vor dem Grundherrn zustanden, sollte der Pfarrer seine Nahrung haben, falls ihm nicht ein Bauerngut selbst, der Widenhof eingeräumt wurde. Man kann nicht hoch genug einschätzen, daß die Kirche sich damals auf oberer wie aber auch auf unterer Ebene einen vom Staat unabhängigen Bereich geschaffen hat, in dem sie ohne allzugroße Rücksicht auf die Herrschaft das Evangelium verkünden und einigermaßen selbständig wirken konnte. Dies kam vor allem der dörflichen Unterschicht, den Leibeigenen zugute, die durch den Einfluß der Kirche auf kleine Anwesenstellen zu sitzen kamen und damit eine selbständige Familie gründen konnten. Für die  Frauen sei gesagt, daß damals gleichfalls von der Kirche die sogenannte Konsensehe, d.h. die Eheschließung mit alleinigem Einverständnis der Partner durchgesetzt wurde, welche die Verkuppelung der Frau nach Sippengesichtspunkten etwas abmilderte, wenn auch nicht ganz beseitigte.

Am 6. Mai 1210 beginnt urkundlich bezeugt mit dem Dekan und Priester Heinrich die Reihe der Eglinger Pfarrer, die bis heute nicht abgerissen ist. Er hatte damals einen Streit seiner Brüder, der Ritter Dietrich und Konrad Krug von Egling um einige Eigenleute mit dem Kloster Dießen zu schlichten, da von dem von Herzog Otto von Wittelsbach  "per invasionem", durch kriegerischen Einfall eingesetzte Richter und Landpfleger kein Recht zu erhalten war: Unversehens meldet so die Urkunde etwas von der erbittertenen Fehde der Grafen von Andechs mit den Wittelsbachern, die 1208 begonnen hatte. Die Ritter von Egling treten seit etwa 1100 als Ministerialen, also wehrhafte Dienstleute der Andechser Grafen auf. Diesen standen auch um Egling die Grafenrechte zu; auf dem Urtel in Schmiechen, wo heute Maria Kappel steht, war wohl ihre Dingstätte. Als 1248, also heuer [2000}vor  über 75O Jahren, mit Herzog Otto der letzte des Andechser Grafengeschlechts starb, wurde Egling endgültig wittelsbachisch. Das Eglinger Rittergeschlecht mit dem Dreizack im Wappen hat diese kriegerischen Zeiten gut  überstanden und begegnet  nun öfters in der Umgebung der bayerischen Herzöge. Einige hatten  als einträgliches Lehensobjekt vom Herzog von Bayern den "Kirchensatz" von Egling inne, d.h. das Patronatsrecht und Einkünfte aus dem Kirchenzehnten. Kaiser Ludwig der Bayer scheint den Eglingern diese Machtgrundlage in Egling genommen zu haben, als er am 24. Februar 1339 den Kirchensatz der Kirche von Egling, welche vom Herzogtum Bayern zu Lehen ging, dem von ihm neu gegründeten Kloster Ettal schenkte. Ihre Burg, die  auf dem Berg  in Oberegling stand, wo heute die Ulrichskapelle steht, scheint damals aufgegeben und verfallen zu sein. Aber noch 1391 wird bei einem Güterverkauf zu Oberegling der "perg und was dazu gehört", angeführt:  der Sedlhof, der Hof an der Trat, der Hof am Baumgaten eine Mühle und andere Grundstücke. Sedlhof meinte damals den Hof, der zum adeligen Sitz gehörte und deswegen steuer- und abgabenfrei war.

Mit der Schenkung vom  1339 ging zwar die große Geschichte der Eglinger Rittergeschlechts zu Ende, aber es wurde eine neue Geschichte begründet, die Beziehung der Pfarrei Egling zum Benediktinerkloster Ettal, die bis 18O3 dauerte. Diesem Kloster und seinem Pfarrvikar P. Josef Graf von Wackerstein, der ein natürlicher Sohn des Wittelsbacher Kaisers Karl Albrecht (l742 -l745) war,  verdankt Egling die großartige Landhofkirche, in der er beigesetzt ist. Hier muß noch angemerkt werden, daß Egling mit der Blasiuskapelle eine der ältesten frühromanischen Kirchen aus dem l0. Jahrhundert besitzt. Vielleicht ist die Kapelle mit einstigen Seelsorgerechten und einem Friedhof deswegen nicht zur Pfarrkirche von Egling geworden, weil sie samt dem auch als Altegling bezeichneten Frietinger- Hof um 1140 vom andechsischen Ritter Merbod zusammen mit der Pfarrei Schmiechen dem Kloster Dießen geschenkt worden ist: die Gefahr hätte bestanden, daß damals Egling der Pfarrei Schmiechen einverleibt worden wäre.

 

Wir müssen noch einmal in die Zeit des 13. Jahrhunderts zurückkehren, als die Grafen von Andechs ausstarben und die Wittelsbacher ihr Erbe übernahmen. Damals erfolgte die Neuorganisation, Neueinrichtung des großen Landgerichts Landsberg, das von Mammendorf und Merching im Norden sich bis zu den Trauchgauer Bergen hinter der Wies erstreckte. Im Rahmen dieser Neuorganisation wird Egling zum Sitz eines Unterames dieses Gerichts gemacht, zuständig für alles Gebiet etwa nördlich der heutigen B l2. Das bedeutete, daß Egling eine Landschranne bekam, auf der das Landgericht abgehalten wurde. Wo Gerichte abgehalten werden, strömen viele Leute zusammen. Es ist deswegen folgerechtig, daß bereits 1280 in Egling ein Marktzoll eingehoben wird. Noch  1647 berichtet der damalige Pfarrer, P. Benedikt: "Hab in dem Markt, das ist in Unteregling, ein Stübl und Kammer bestanden (gemietet), damit ich in unserer Pfarrkirch Egling und von Schmiechen in medio (in der Mitte) wäre" ( Chr.  43 ). Auch als Landgericht und Markt in Egling nicht mehr abgehalten wurden, blieb es Sitz des Amtmannes und des Gerichtsschergen. Dieser hatte im Unteramt neben der ortspolizeilichen Zuständigkeit hauptsächlich Hilfsdienste für Landgericht und Kastenamt, mit heutigen Begriffen also für Landratsamt, Amtsgericht und Finanzamt zu leisten.Ein Amtshof zu Egling ist bereits l37O urkundlich bezeugt. Egling hatte also zentralörtliche Funktionen im heutigen nördlichen Landkreisgebiet besessen, die bis zur Neuorganisation l803 bestand. Durch die Neuanlage der Staatsstraße Landsberg - Mering über Egling seit l8l0, der Ammersee-Eisenbahn l898 und einer Gendarmerie-Station seit l913, die jedoch nach dem 2. Weltkrieg abgeschaftt wurde, wirkt die historische zentralörtliche Funktion Eglings bis heute weiter.

 

Unsere Darlegung wäre unvollständig, wenn zum Schluß nicht die Geschichte der heutigen politischen Gemeinde Egling gestreift würde. Sie geht auf die Polizei - Gemeinde Egling zurück, die durch das staatliche Gemeindedikt von l8l8 mit dem Gemeindeteilen Ober- und Unteregling, Hattenhofen "formiert" wurde, wie es damals hieß. Vorher hatte es nur die sog. "Gmua" in Ober- und Unteregling gegeben, die jedoch in ihrem Alter bis ins hohe Mittelalter zurückreichen. Es war eine bäuerliche Wirtschaftsgemeinde,die das tägliche und jahreszeitliche Wirtschaften in Dorf und Feld regelte. Kennzeichnend für diese Gemeinden sind Gemeindebesitz (meist Weide, Wald und Kleinhäuser) und die sog. vier ehaften Gewerbe: Tafernwirt, Schmiede, Mühle und Bad, die auch teilweise in Gemeindebesitz sein konnten. Ehaften wurden sie deswegen genannt, weil die Gemeindebewohner verpflichtet waren, die gemeindeörtlichen Gewerbe in Anspruch zu nehmen (und nicht diejenigen im Nachbarort). Sowohl Unter- wie auch Oberegling besaßen ihre vollständigen Ehaften. Für Oberegling ware noch zu erkunden, ob hier im Rahmen der politischen Gemeinde Egling seit 1818 Ortschaftsrechte fortbestanden. Zweifellos überwog im Leben der Dorfbewohner der Festkalender des Kirchenjahres. Gemeindliche Feste und Veranstaltungen gab es kaum; bekannt sind vor allem die sog. Johrgmua, auf denen über Ein- und Ausnahmen abgerechnet und neue Gemeindevierer bzw. Gemeindepersonal (Hüter, Nachtwächter sw.) bestellt wurden. Doch waren früher mit den kirchlichen Festen jeweils weltliche Feste verbunden, die in den Tafernwirtschaften stattfanden. Es ist sicher richtig gesagt, daß sich in früherer Zeit das gesellige Leben im Dorf im wesentlichen zwischen Kirche und Wirtshaus abspielte. Deswegen sollte man den historischen Wirtshäusern im Rahmen der Denkmalpflege gleichfalls Aufmerksamkeit schenken. In Egling sind dies der Obere und Untere Wirt. In ihnen hat sich seit Jahrhunderten gemeindliches Leben in Egling vollzogen. Sie sollten gleichfalls als Denkmäler einer selbständigen, jahrhundertealten Gemeinde erhalten bzw. mit Gedenktafeln versehen werden."

Nachwort: Mit den familiären Beziehungen zur Oberegling bin ich bereits bis kurz vor mein Heimatdörflein Wabern gekommen, das einige Kilometer weiter gegen Süden liegt. Darüber wird in der Hompage:  www.lechrain.ontoo.de/Paar gehandelt

 

                                                                              Ende


(Anmerkungen III)

[1] Häuser und Höfe in Prittriching.Hrsgg. v.d. Arbeitsgemeinschaft Ortsgeschichte Prittriching  (Beiträge zur Prittrichinger Ortsgeschichte, Heft 3)  [1994], S. 129

[2] T. Husl hat in der Geschichte „Eine Magd erzählt" (S.51 sehr anschaulich das Leben einer Magd erzählt, das nicht viel anders dals dasjenige meiner Großmutter war.

[3] Wilhelm Lukas Kristl, Kneißl. Bayerns Kriminalfall der Jahrhundertwende. München  o.J. S. 62 ff.

[4] Aus dem Eglinger Familienbeschrieb II ist ersichtlich, dass Friederike eine geborene Drexl von Dünzelbach war (*1. Oktober 1863, °° 31. Aug. 1886, + 15 November 1887,  ohne Kinder)

[5] H.Welz, Bauerngeschichten aus dem Oberen Paartal (Landsberger Geschichtsblätter 1975/77 S.94).

_______________________________________________________________________________________________________

   10.3.2007